Was Ballaststoffdrinks wirklich leisten: Dr. Oetker High Fibre, More FIZI & Super Pop im Check

Ballaststoffdrinks im Check: Dr. Oetker High Fibre, More FIZI & Super Pop – was sie leisten, wie der Nutri-Score wirkt und worauf es bei Ballaststoffen ankommt.

Inhalte
Aquarell-Porträt von Dario, Mitgründer von Nurisan und Fachberater für Holistische Gesundheit (AKN).

Geschrieben von Dario

Fachberater für holistische Gesundheit (AKN)®

Einleitung

Ein Nährstoff hat es im Jahr 2026 vom Rand der Nährwerttabelle auf die Vorderseite der Verpackung geschafft: Ballaststoffe. Jahrelang galten sie als wenig glamouröser Bestandteil von Vollkornbrot, Hülsenfrüchten und Gemüse.

Inzwischen werden sie jedoch zum Verkaufsargument.

Dr. Oetker bringt „High Fibre Drinks“ ins Kühlregal. More Nutrition verkauft mit FIZI eine Limonade, die 10 Gramm Ballaststoffe pro Dose enthält, und wirbt offensiv mit der sogenannten „Fiber Gap“. Super Pop hat eigenen Angaben zufolge die „Limo neu erfunden“.

So wird aus einem ernährungswissenschaftlichen Thema eine neue Produktkategorie.

Das ist zunächst einmal keine schlechte Entwicklung. Im Gegenteil: Die durchschnittliche Ballaststoffzufuhr in Deutschland liegt tatsächlich deutlich unter dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Die DGE empfiehlt Erwachsenen eine Zufuhr von mindestens 30 Gramm pro Tag, während nach den Daten der Nationalen Verzehrsstudie II im Mittel lediglich etwa 18 Gramm bei Frauen und 19 Gramm bei Männern erreicht wurden. [1]

Die Datenerhebung der Nationalen Verzehrsstudie II fand zwischen 2005 und 2007 statt. Es handelt sich also nicht um eine aktuelle Bestandsaufnahme des Jahres 2026. Die Studie zeigt jedoch die Größenordnung, auf die sich viele Aussagen zur deutschen Ballaststoffzufuhr beziehen.

Die spannende Frage lautet also: Was bedeutet es genau, wenn ein Lebensmittel plötzlich „High Fibre“ ist?

Sind 10 Gramm Ballaststoffe in einer Limonade aus ernährungsphysiologischer Sicht dasselbe wie Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen oder Gemüse? Wird aus einem Produkt allein durch zugesetzte Ballaststoffe automatisch ein besonders empfehlenswertes Lebensmittel? Und welche Rolle spielt es, woher diese Ballaststoffe stammen?

Die kurze Antwort lautet: Die Menge ist wichtig. Aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte.

Und genau diese Geschichte lohnt es sich, genauer anzusehen.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag erscheint im Ratgeber von Nurisan®, einem selbst ballaststoffreichen Lebensmittel. Wir sind damit wirtschaftlich nicht neutral. Die Angaben zu Dr. Oetker High Fibre, More FIZI und Super Pop beruhen auf den öffentlich verfügbaren Zutaten- und Nährwertangaben der Hersteller, geprüft am 4. September 2026. Der Beitrag stellt keinen Labortest dar und bewertet weder den Geschmack noch die individuelle Verträglichkeit.

Dieser Artikel auf einen Blick

die 7 wichtigsten Fakten für Schnell-Leser

Warum Ballaststoffe gerade zum großen Ernährungstrend werden

Ballaststoffdrinks im Check: Eine bunte Ansammlung von gestapelten Super Pop und More FIZI Dosen, flankiert von zwei Dr. Oetker High Fibre Flaschen vor blauem Himmel.
© Nurisan. Hintergrund mit KI generiert

Der aktuelle Boom kommt nicht aus dem Nichts.

Ballaststoffe gehören zu den Bereichen der modernen Ernährung, in denen ein bemerkenswert breiter wissenschaftlicher Konsens besteht.

Eine höhere Ballaststoffzufuhr ist in großen Studien mit positiven gesundheitlichen Ergebnissen verbunden.

Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen unter anderem Zusammenhänge mit einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und eine geringere vorzeitige Sterblichkeit [1, 10, 11].

Die im Jahr 2019 im „Lancet” veröffentlichte große Auswertung von Reynolds und Kollegen fasste Daten aus zahlreichen prospektiven Studien und klinischen Untersuchungen zusammen und fand konsistente Vorteile einer höheren Ballaststoff- und Vollkornzufuhr [10].

Die DGE hat ihren Richtwert von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen täglich für Erwachsene auf Grundlage der verfügbaren präventivmedizinischen Evidenz bestätigt [1].

Gleichzeitig erreichen viele Menschen diese Menge offenbar nicht. Damit entsteht ein attraktiver Markt.

Wo eine Ernährungslücke wahrgenommen wird, entstehen Produkte, die versprechen, sie komfortabel zu schließen.

Protein hat diese Entwicklung bereits hinter sich:

  • Proteinpudding,
  • Proteinriegel,
  • Proteinbrot,
  • Proteinwasser.


passiert dasselbe mit Ballaststoffen.

Aus Haferflocken, Bohnen und Vollkornbrot wird „High Fibre“.

Das muss nicht schlecht sein. Aber es verändert unsere Denkweise in Bezug auf Lebensmittel.

„High Fibre“ – was bedeutet das eigentlich?

Der Ausdruck klingt nach einer qualitativen Bewertung. Rechtlich ist er jedoch etwas viel nüchterner.

Die europäische Health-Claims-Verordnung legt fest, unter welchen Voraussetzungen ein Lebensmittel als „ballaststoffreich“ beworben werden darf.

Bei festen Lebensmitteln müssen dafür mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100 g enthalten sein. Als „Ballaststoffquelle“ darf ein festes Lebensmittel bereits ab einem Gehalt von 3 g Ballaststoffen pro 100 g bezeichnet werden.

Bei entsprechenden flüssigen Lebensmitteln gelten die in der Verordnung vorgesehenen Schwellenwerte [2]. Für die Bezeichnung „ballaststoffreich“ müssen mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 kcal enthalten sein, für die Bezeichnung „Ballaststoffquelle“ mindestens 1,5 g pro 100 kcal.

Damit sagt „High Fibre“ zuverlässig:

„Dieses Produkt enthält eine bestimmte Menge Ballaststoffe.“

Es sagt dagegen nicht automatisch,

  • dass dieses Lebensmittel insgesamt ausgewogen ist,
  • es wenig Zucker enthält,
  • wie stark es verarbeitet ist,
  • ob seine Ballaststoffe aus ganzen Lebensmitteln stammen,
  • ob es besonders viele unterschiedliche Ballaststoffstrukturen enthält,
  • oder dass es gegenüber anderen Lebensmitteln bevorzugt gegessen werden sollte.


Das ist ein entscheidender Unterschied.

In der Ernährungspsychologie ist gut dokumentiert, dass positiv besetzte Angaben auf Verpackungen einen sogenannten „Health-Halo-Effekt“ erzeugen können.

Dabei verändert eine einzelne vorteilhafte Eigenschaft die Wahrnehmung des gesamten Produktes. Menschen können ein Produkt beispielsweise aufgrund eines Protein-, Fett- oder anderen Nährstoffhinweises insgesamt als „gesünder“ einschätzen, obwohl sich die Aussage streng genommen nur auf einen einzelnen Parameter bezieht [12].

„Reich an Ballaststoffen“ ist also eine relevante Information. Nur sollte aus dieser Information nicht unbemerkt ein Gesamturteil werden.

Dr. Oetker High Fibre: Was steckt tatsächlich in der Flasche?

Zusammenstellung verschiedener Funktionsgetränke vor blauem Himmel: Im Vordergrund zwei Dr. Oetker High Fibre Flaschen und eine liegende Ehrmann Foodie Flasche, dahinter gestapelte Dosen von More FIZI und Super Pop.
© Nurisan. Hintergrund mit KI generiert

Dr. Oetker brachte im Juni 2026 seine „High Fibre Drinks“ in drei Varianten – Schoko, Banane und Bourbon-Vanille – auf den Markt. Der Hersteller positioniert sie ausdrücklich im Bereich des „bewussten Genusses“ [3, 13]. Und zunächst muss man festhalten:

Die Produkte enthalten tatsächlich eine relevante Menge Ballaststoffe.

Je nach Sorte liefert eine 330-ml-Flasche ungefähr:

  • 8,4–9,0 g Ballaststoffe
  • 11–12 g Protein
  • 229–239 kcal
  • 26–27 g Zucker
  • sowie zugesetztes Vitamin B12. [3]


Die Ballaststoffzutaten der Schoko-Variante stammen unter anderem aus glutenfreier Weizenhalmfaser und resistentem Maltodextrin. Zusätzlich enthält die Rezeptur modifizierte Stärke, Aroma, Gellan und Carrageen [3].

Das ist zunächst eine Beschreibung – keine Wertung. 

Auch die 26 g Zucker der Schoko-Variante bedürfen einer sauberen Einordnung: Da Milch der mit Abstand wichtigste Bestandteil des Getränks ist, stammt ein Teil des ausgewiesenen Gesamtzuckers aus der natürlich in der Milch enthaltenen Lactose. Gleichzeitig wird Zucker als Zutat hinzugefügt.

Aus der Nährwertdeklaration lässt sich die genaue Menge des zugesetzten Zuckers jedoch nicht seriös herausrechnen [3]. Genau deshalb wäre die Behauptung „26 Gramm zugesetzter Zucker“ falsch.

Interessanter ist etwas anderes: Eine Flasche kann gleichzeitig ballaststoffreich und zuckerhaltig sein. Das ist kein Widerspruch.

Die beiden Aussagen beschreiben schlicht unterschiedliche Eigenschaften desselben Lebensmittels.

Und damit zeigt der High Fibre Drink exemplarisch, warum eine einzelne Zahl niemals die gesamte Betrachtung von Zutaten und Nährwerten ersetzen sollte.

Super Pop: Wenn aus der Limonade ein „Functional Drink“ wird

Nahaufnahme einer Super Pop Dose in der Sorte Citrus Lemongrass Ginger. Prominent auf der Vorderseite sind die Hinweise „Zuckerfrei“ und „Ballaststoffreich“ zu sehen.
© Nurisan. Hintergrund mit KI generiert

Noch deutlicher wird die Marktentwicklung, wenn man einen weiteren Vertreter der neuen Ballaststoffgetränke betrachtet. Super Pop.

Der Hersteller bezeichnet sein Produkt selbst als „neue Generation von Softdrinks“ und kombiniert das klassische Limonadenformat mit Zutaten, die eher aus dem Bereich der Functional Foods bekannt sind. Pro 330-ml-Dose werden 6 g Ballaststoffe ausgelobt. Hinzu kommen Apfelessig und durch Hitze inaktivierte Kulturen von Lactobacillus plantarum.

Laut Nährwertdeklaration enthält das Getränk keinen Zucker. Gesüßt wird mit Steviolglycosiden [23, 24]. Damit unterscheidet sich Super Pop sowohl von einem klassischen, zuckerhaltigen Softdrink als auch vom Konzept von More FIZI.

Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt beispielsweise bei der Sorte Pink Grapefruit-Kumquat:

  • Wasser,
  • 2,2 % Apfelessig,
  • lösliches Tapiokadextrin,
  • Topinamburpulver,
  • Kohlensäure,
  • Calciumlactat,
  • Gummi arabicum als Ballaststoff beziehungsweise Stabilisator,
  • Fruchtsaftkonzentrat und Aroma,
  • Steviolglycoside
  • sowie durch Hitze inaktivierte Lactobacillus plantarum.

Der deklarierte Ballaststoffgehalt beträgt 1,82 g pro 100 ml beziehungsweise rund 6 g pro Dose.

Die verschiedenen aktuell angebotenen Sorten weisen nach den verfügbaren Produktdeklarationen ein sehr ähnliches Grundkonzept auf. [24]

6 g Ballaststoffe pro Dose sind keine unbedeutende Menge. Mit 1,82 g pro 100 ml erfüllt das Getränk aufgrund seines sehr niedrigen Energiegehalts die gesetzlichen Voraussetzungen für die Angabe eines hohen Ballaststoffgehalts [2].

Gleichzeitig stammen die Ballaststoffe nicht einfach aus dem geringen Fruchtanteil des Getränks. Sie werden gezielt über Zutaten wie Tapiokadextrin, Topinamburpulver und Gummi arabicum in die Rezeptur eingebracht [24].

Auch das ist weder positiv noch negativ. Es beschreibt schlicht, wie dieses Lebensmittel konstruiert ist.

Nicht nur Ballaststoffe – sondern ein ganzes Funktionsversprechen

Super Pop zeigt besonders anschaulich, wie sich die Sprache rund um Erfrischungsgetränke verändert hat.

Limonade wird hier nicht mehr ausschließlich über Geschmack, Erfrischung und Zuckerfreiheit positioniert. Stattdessen treten einzelne Zutaten und ernährungsbezogene Eigenschaften in den Vordergrund.

Der Hersteller hebt insbesondere Ballaststoffe, Apfelessig und die inaktivierten Bakterienkulturen als charakteristische Bestandteile des Produktkonzepts hervor [23].

Dadurch wird das Erfrischungsgetränk kommunikativ deutlich funktionaler positioniert als eine klassische Limonade.

Das bedeutet zunächst lediglich, dass bestimmte ernährungsbezogene Eigenschaften bewusst Bestandteil der Rezeptur und Positionierung sind.

Dies erlaubt jedoch noch keine Aussage darüber, wie das Lebensmittel insgesamt ernährungsphysiologisch einzuordnen ist.

Genau darin ähnelt Super Pop den anderen Produkten dieses neuen Marktes.

Gerade dadurch wird der Vergleich mit anderen Ballaststoffgetränken interessant:

FIZI liefert beispielsweise rund 10 g Ballaststoffe pro Dose über eine Mischung verschiedener zugesetzter löslicher Fasern.

Super Pop liefert rund 6 g und verbindet diese mit weiteren Zutaten wie Apfelessig und inaktiviertem Lactobacillus plantarum.

Dr. Oetker kombiniert wiederum rund 8 bis 9 g Ballaststoffe mit einem Milchgetränk, das gleichzeitig Protein, Zucker und Vitamin B12 enthält.

Obwohl alle drei Produkte mit demselben großen Thema – Ballaststoffe – werben, können sie ernährungsphysiologisch vollkommen unterschiedlich sein.

More FIZI: Kann eine Limonade eine Ballaststoffquelle sein?

Nahaufnahme einer More FIZI Dose in der Sorte White Peach. Auf der rosafarbenen Dose stehen prominent die Werbeaussagen „Ballaststoffe statt Zucker“ und „Zero Zucker“.
© Nurisan. Hintergrund mit KI generiert

Beim FIZI-Konzept von More Nutrition sieht die Sache deutlich anders aus. Eine 330-ml-Dose Lemon Lime enthält nach aktuellen Herstellerangaben etwa:

  • 10 g Ballaststoffe
  • 0 g Zucker
  • 0 g Protein
  • rund 46 kcal. [4]


Die Ballaststoffe werden in Form einer Mischung aus löslichen
Maisfasern, Tapiokadextrin, Akazien-Ballaststoffen und teilhydrolysiertem Guarkernmehl gezielt zugesetzt.

Als Süßungsmittel werden unter anderem ein Auszug aus Mönchsfrucht und Steviolglycoside verwendet. [4]

Auch hier gilt: Die 10 Gramm Ballaststoffe sind real.

Nur weil die Fasern technologisch zugesetzt wurden, ist FIZI nicht plötzlich „gar keine Ballaststoffquelle“. Der Einwand „Limonade ist immer voller Zucker“ funktioniert hier ebenfalls nicht, da das Produkt laut Nährwertdeklaration 0 g Zucker enthält [4].

Wer FIZI seriös beurteilen möchte, muss deshalb präziser argumentieren.

Die interessante Frage ist nicht: „Sind da wirklich Ballaststoffe drin?” sondern: „Ist das ernährungsphysiologisch dasselbe wie ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel?”

Und hier wird es wissenschaftlich spannend.

Die „Fiber Gap“: eine gute Eselsbrücke – aber keine persönliche Diagnose

More Nutrition bringt den aktuellen Ballaststofftrend auf eine bemerkenswert einfache Formel:

30 Gramm werden empfohlen.

Viele Menschen essen jedoch nur etwa 20 Gramm.

= Es fehlen also 10 Gramm.

Eine Dose enthält 10 Gramm. „Limo auf. Fiber Gap zu.”

Marketingtechnisch ist das brillant. Ernährungswissenschaftlich braucht der Satz allerdings ein kleines Sternchen.

Die DGE nennt tatsächlich mindestens 30 g pro Tag als Richtwert. Die Nationale Verzehrsstudie II ermittelte jedoch durchschnittlich nur etwa 18 g bei Frauen und 19 g bei Männern [1, 16].

Da es sich bei dem Bevölkerungsdurchschnitt jedoch nicht um einen persönlichen Messwert handelt, ist eine Verallgemeinerung der Ballaststofflücke auf fixe 10 Gramm nicht möglich.

Eine Person, die sich täglich mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nüssen und Samen ernährt, kann deutlich über 30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen.

Eine andere Person erreicht vielleicht nur 12 Gramm. Ein dritter liegt bei 27 Gramm.

Aus einem statistischen Durchschnitt lässt sich deshalb nicht ableiten: „Dir fehlen täglich 10 Gramm“.

Der Begriff „Ballaststofflücke“ ist jedoch als Beschreibung eines gesellschaftlichen Ernährungsmusters durchaus hilfreich.

Die individuelle Lücke hängt jedoch von der gesamten Ernährung ab.

Das klingt weniger spektakulär als ein universelles Defizit, ist aber ehrlicher.

Hat der neue Nutri-Score etwas mit dem Ballaststofftrend zu tun?

Das offizielle Nutri-Score-Logo mit seiner bekannten fünfstufigen Farbskala von einem dunkelgrünen A bis zu einem roten E.
®Nurisan KI-Generiert

Dass ausgerechnet jetzt immer mehr Erfrischungsgetränke mit Ballaststoffen auf den Markt kommen, wirft eine weitere interessante Frage auf: Spielt dabei auch der Nutri-Score eine Rolle?

Um diesen Punkt besser zu beleuchten, folgt eine kurze Einführung:

Der Nutri-Score ist in Deutschland keine verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung. Hersteller entscheiden grundsätzlich freiwillig, ob sie ihn verwenden.

Wer sich für die Nutzung registriert, muss allerdings die dafür geltenden Bedingungen sowie den jeweils aktuellen Berechnungsalgorithmus einhalten [20].

Dieser Algorithmus wurde grundlegend überarbeitet.

Die neue Berechnung gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2024, für bereits vor der Umstellung entsprechend gekennzeichnete Produkte bestand jedoch eine Übergangsfrist von 24 Monaten, die am 1. Januar 2026 endete.

Seitdem muss bei Produkten teilnehmender Unternehmen grundsätzlich nach dem weiterentwickelten Verfahren gerechnet werden.

Und gerade für Getränke hat sich einiges verändert [20].

Was der Nutri-Score bei Getränken heute berücksichtigt

Der Nutri-Score versucht nicht, die Komplexität eines Lebensmittels vollständig abzubilden.

Vielmehr werden ausgewählte Eigenschaften nach einem festgelegten Punktesystem miteinander verrechnet.

Bei Getränken zählen beispielsweise

  • Energie,
  • Zucker,
  • gesättigte Fettsäuren,
  • Salz
  • und seit der Überarbeitung auch Süßstoffe

zu den ungünstig bewerteten Komponenten.

Demgegenüber können unter anderem

  • Ballaststoffe,
  • Protein
  • sowie bestimmte Anteile von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten

die Bewertung verbessern [20, 21].

Gerade an dieser Stelle wird der aktuelle Ballaststofftrend interessant. Denn Ballaststoffe sind im Nutri-Score eine Positivkomponente.

Das bedeutet, dass zwei ansonsten vergleichbare Getränke unterschiedlich bewertet werden können, wenn eines davon mehr Ballaststoffe enthält.

Der neue Algorithmus belohnt Ballaststoffe, ist aber gleichzeitig strenger geworden.

Im Zuge der Überarbeitung wurde die Schwelle für die positive Berücksichtigung von Ballaststoffen deutlich angehoben.

Beim aktuellen Getränkealgorithmus beginnt die erste positive Punktestufe erst bei mehr als 3 Gramm Ballaststoffen pro 100 Milliliter.

Höhere Gehalte können weitere günstige Punkte bringen [21].

Gleichzeitig wurde ein anderer häufiger Bestandteil zuckerfreier Erfrischungsgetränke erstmals negativ berücksichtigt.

Süßstoffe.

Enthält ein Getränk entsprechende nicht-nutritive Süßungsmittel, werden nach dem neuen Algorithmus dafür vier zusätzliche ungünstige Punkte vergeben. Laut dem Bundesministerium soll damit verhindert werden, dass der Nutri-Score einen Anreiz schafft, Zucker lediglich durch Süßstoffe zu ersetzen [20].

Der überarbeitete Nutri-Score setzt damit gewissermaßen zwei gegenläufige Signale:

viel Zucker → ungünstig
Süßstoffe → ebenfalls ungünstiger als zuvor
Ballaststoffe → günstig

Lebensmittelentwickler können diese Faktoren bei der Rezepturgestaltung selbstverständlich berücksichtigen.

Ob ein Hersteller jedoch gerade wegen des Nutri-Scores Ballaststoffe einsetzt, lässt sich aus einer Zutatenliste allein nicht erkennen.

Dafür wären Informationen über die tatsächliche Produktentwicklung nötig.

Lässt sich ein guter Nutri-Score „zurechtformulieren“?

Ein interessantes Beispiel ist More FIZI. Der Ballaststoffgehalt liegt auffällig nah an einer relevanten Schwelle. So enthält eine 330-ml-Dose laut Hersteller 10 g Ballaststoffe. Das entspricht rund 3,0 g pro 100 ml. Gleichzeitig enthält das Getränk unter anderem Steviolglycoside als Süßungsmittel [4].

Damit treffen bei diesem Produkt genau zwei Komponenten aufeinander, die der neue Nutri-Score ausdrücklich berücksichtigt:

  • zugesetzte Ballaststoffe auf der positiven

    und

  • Süßungsmittel auf der negativen Seite.

Dass eine Ballaststoffanreicherung nicht automatisch zu einer Optimierung des Nutri-Scores führt, zeigt Super Pop. Mit 1,82 g Ballaststoffen je 100 ml liegt das Produkt unterhalb der ersten positiven Ballaststoffstufe des aktuellen Getränkealgorithmus.

Gleichzeitig enthält es Steviolglycoside als Süßungsmittel. Aus dem Ballaststoffzusatz allein lässt sich daher weder ein günstiger Nutri-Score noch eine entsprechende Motivation des Herstellers ableiten.

Noch weniger lässt sich daraus ableiten, aus welchem Grund die Rezeptur genau so entwickelt wurde.

Der Nutri-Score ist ein Rechenmodell. Wenn ein Hersteller einen ungünstig bewerteten Bestandteil reduziert oder einen günstig bewerteten erhöht, kann sich das Ergebnis entsprechend verändern. Genau dafür wurde der Algorithmus entwickelt.

Ballaststoffe sind heute nicht nur aus ernährungsphysiologischer Sicht und für die Werbung interessant, sondern auch Bestandteil eines Kennzeichnungssystems, das die Nährwertqualität von Lebensmitteln sichtbar machen soll.

Damit kann der Algorithmus auch bei der Rezepturentwicklung einen wirtschaftlichen Anreiz darstellen.

Das ist zunächst weder gut noch schlecht.

Es ist schlicht ein Teil moderner Lebensmittelentwicklung.

Was misst der Nutri-Score und was nicht?

Laut dem Bundesministerium berücksichtigt der Nutri-Score nur bestimmte ernährungsphysiologische Parameter. Zahlreiche andere Bestandteile eines Lebensmittels, wie beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe oder Zusatzstoffe wie Aromen, gehen nicht unmittelbar in die Berechnung ein [22]. Der Nutri-Score kann somit nur eine erste Orientierung beim Vergleich ähnlicher Produkte bieten.

Er beantwortet jedoch nicht alle Fragen, die man an ein Lebensmittel stellen könnte.

Genau dasselbe gilt für den Ballaststoffgehalt.

  • Ein Nutri-Score B oder C ist eine Information.
  • Eine Zutatenliste ist eine Information.
  • Keine davon ist das Lebensmittel an sich.

Vielleicht liegt genau darin die interessanteste Lehre aus dem aktuellen High-Fibre-Trend: Moderne Lebensmittel lassen sich optimieren. Für gute Ernährungsentscheidungen braucht es trotzdem mehr als einen optimierten Einzelwert.

Ist zugesetzter Ballaststoff schlechter als natürlicher Ballaststoff?

Wissenschaftliche Untersuchung von Ballaststoffquellen: Eine Forscherin im Labor analysiert mit einer Pinzette verschiedene Körner, Samen und pflanzliche Rohstoffe in Petrischalen.
®Nurisan KI-Generiert

Hier wäre die einfache Geschichte „Natürlich gut, isoliert schlecht“ verführerisch. Doch die moderne Ernährungswissenschaft lässt sich selten auf ein Klischee reduzieren.

Ballaststoffe sind keine einzelne Substanz. Unter diesem Begriff findet sich eine große Gruppe chemisch und physikalisch sehr unterschiedlicher Verbindungen. Sie unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich:

  • Molekülstruktur,
  • Wasserlöslichkeit,
  • Viskosität,
  • Quellfähigkeit,
  • Fermentierbarkeit,
  • Molekulargewicht
  • und ihrer Interaktion mit Darmbakterien [1,5,6].


Die DGE weist ausdrücklich darauf hin, dass Ballaststoffe sowohl natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen als auch aus natürlichen Quellen gewonnen oder technisch hergestellt werden können.

Ihre physiologischen Eigenschaften hängen stark von ihrer Struktur und Matrix ab [1, 17, 18].

Auch kontrollierte Humanstudien zeigen eindrucksvoll, dass unterschiedliche isolierte Ballaststoffstrukturen verschiedene Reaktionen des Darmmikrobioms und seiner Stoffwechselprodukte hervorrufen können.

In einer randomisierten Studie von Deehan und Kollegen führten verschiedene Strukturen resistenter Stärke beispielsweise zu unterschiedlichen Veränderungen mikrobieller Stoffwechselwege und der Bildung kurzkettiger Fettsäuren [7, 17, 18].

Die wissenschaftlich korrekte Schlussfolgerung lautet deshalb:

Zusätzlich zugesetzte Ballaststoffe sind nicht automatisch minderwertig. Aber: Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff.

Die Grammzahl allein sagt wenig darüber aus, welche physikalischen Eigenschaften eine Faser besitzt oder wie sie sich im Verdauungstrakt verhält.

Warum unterschiedliche Ballaststoffquellen sinnvoll sind

Genau an diesem Punkt wird eine Aussage der Forschung und der DGE besonders interessant.

Sie und weitere Studien weisen darauf hin, dass verschiedene gesundheitliche Zusammenhänge teilweise bei der Gesamtzufuhr und teilweise spezifisch bei Ballaststoffen aus bestimmten Lebensmittelgruppen wie Getreide oder Obst beobachtet werden.

Die Konsequenz lautet deshalb: Ballaststoffe sollten aus verschiedenen Quellen aufgenommen werden [1, 17, 18].

Das ist wesentlich differenzierter als die Vorstellung eines einzigen täglichen Ballaststoffzählers.

Denn 30 Gramm sind ernährungswissenschaftlich eben nicht zwingend 30 identische Gramm.

Wer

  • Vollkorn,
  • Hülsenfrüchte,
  • Gemüse,
  • Obst,
  • Nüsse und
  • Samen


kombiniert, nimmt nicht nur unterschiedliche Mengen, sondern verschiedene Faserstrukturen und gleichzeitig zahlreiche weitere Bestandteile, wie beispielsweise sekundäre Pflanzenstoffe, dieser Lebensmittel auf [1, 17].

Die Forschung zum Mikrobiom bestätigt dieses Bild: Verschiedene Kohlenhydrat- und Ballaststoffstrukturen können von unterschiedlichen Mikroorganismen verwertet werden und entsprechend unterschiedliche Stoffwechselreaktionen hervorrufen [6, 7].

Das spricht nicht gegen einzelne Faserprodukte. Es spricht für Vielfalt.

Möchtest du mehr über das Thema „Lebensmittelmatrix” erfahren? Dann bist du in unserem Ratgeber-Kapitel: „Die Lebensmittelmatrix: Warum die Verpackung der Natur zählt“ genau richtig.

Ein Ballaststoff ist ein Stoff - Ein Lebensmittel ist ein System

Damit kommen wir zu einem Konzept, das in der modernen Ernährungswissenschaft immer wichtiger wird: die Lebensmittelmatrix.

Lange wurde die Ernährung stark reduziert betrachtet.

  • Vitamin C.
  • Protein.
  • Calcium.
  • Ballaststoffe.
  • Omega-3.

Lebensmittel wurden gedanklich in ihre einzelnen Inhaltsstoffe zerlegt und anschließend versucht, aus deren Summe die Qualität des Lebensmittels zu erklären.

Heute wissen wir, dass diese Sichtweise zu kurz greifen kann. Lebensmittel besitzen eine physikalische und chemische Struktur, in der Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe, Ballaststoffe und zahlreiche weitere Verbindungen miteinander interagieren.

Diese Matrix beeinflusst unter anderem die Freisetzung, die Verdauung und die Bioverfügbarkeit einzelner Bestandteile [8, 9].

Pflanzliche Lebensmittel enthalten zusätzlich zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.

Polyphenole, Carotinoide und andere Pflanzenverbindungen existieren dabei nicht isoliert. Sie sind an Strukturen gebunden, interagieren mit Proteinen, Fetten oder Ballaststoffen und werden durch Verarbeitung und Lebensmittelmatrix unterschiedlich verfügbar [9].

Mehr interessante Informationen, Fakten und Zusammenhänge über die Welt der sekundären Pflanzenstoffe erfährst du in unserem Ratgeber „Sekundäre Pflanzenstoffe: Die Vielfalt hinter Farbe, Duft und Geschmack.“

Das führt zu einem wichtigen Gedanken:

Ein Lebensmittel mit Ballaststoffen ist nicht zwangsläufig dasselbe wie ein Lebensmittel, dem Ballaststoffe hinzugefügt wurden.

Nicht, weil das eine automatisch „gut“ und das andere automatisch „schlecht“ wäre, sondern weil es sich um zwei unterschiedliche ernährungsphysiologische Konzepte handelt.

Was ist mit Carrageen, Aromen und anderen Zusatzstoffen?

Eine Hand voller Tabletten neben einer Liste von E-Nummern und künstlichen Zusätzen wie Süßungsmitteln, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern.
®Nurisan KI-Generiert

Gerade bei Produktvergleichen dieser Art ist schnell von „Chemie“, „künstlich“ oder „voller Zusatzstoffe“ die Rede.

Das klingt zwar dramatisch, ist für eine seriöse Ernährungsbewertung aber zu einfach.

Aus der bloßen Anwesenheit eines zugelassenen Verdickungsmittels, Stabilisators oder Aromas lässt sich nicht ableiten, dass ein Lebensmittel gesundheitsschädlich ist. Es zeigt lediglich, dass es künstlich designed wurde.

Andererseits macht eine kurze Liste der Inhaltsstoffe ein Nahrungsmittel nicht automatisch ernährungsphysiologisch perfekt.

Die sinnvollere Frage lautet: Warum ist dieser Stoff enthalten und welches Lebensmittelkonzept liegt insgesamt vor? Gibt es vielleicht eine Alternative, die besser zum eigenen Lebensstil passt?

Bei einem industriell formulierten Getränk können Zutaten beispielsweise gezielt

  • Konsistenz
  • Stabilität
  • Süße
  • Aroma
  • oder den Ballaststoffgehalt erzeugen oder verändern.

Dies unterscheidet ein solches Produktkonzept von Lebensmitteln, bei denen die betrachteten Ballaststoffe bereits aus den verwendeten pflanzlichen Zutaten stammen.

Diese Unterschiede darf man beschreiben. Beobachtungsstudien zu stark verarbeiteten Lebensmitteln sollten jedoch nicht überinterpretiert werden.

Zwar zeigen große epidemiologische Auswertungen Zusammenhänge zwischen einem hohen Anteil sogenannter ultra-verarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung und verschiedenen ungünstigen Gesundheitseffekten. Sie beweisen jedoch nicht, dass ein bestimmter Zusatzstoff oder ein einzelnes Produkt diese Effekte verursacht [14].

In der EU unterliegen zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe Sicherheitsbewertungen. Bereits zugelassene Stoffe werden auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zudem erneut bewertet. Bei Bedarf können daraus Änderungen der zulässigen Verwendung oder Höchstmengen folgen [19].

Differenzierung ist manchmal weniger spektakulär. Aber meistens wissenschaftlicher.

Vier Produkte, vier vollkommen unterschiedliche Konzepte

Ein Blick auf die Zutatenlisten: Die Rückseiten der Ballaststoffdrinks Dr. Oetker High Fibre, More FIZI und Super Pop mit ihren Nährwerttabellen im direkten Vergleich.
©Nurisan. Hintergrund mit KI generiert

Ein Blick auf die Etiketten zeigt: Produkte können sehr unterschiedlich sein. Und das, obwohl sie alle mit Ballaststoffen in Verbindung stehen.

Produkt

Konzept

Ballaststoffe pro Menge

Ballaststoffprinzip

Dr. Oetker High Fiber "Schoko"

Milchgetränk

9 g auf 330 ml

u. a. zugesetzte Weizenhalmfaser und resistentes Maltodextrin

More FIZI "Lemon Lime"

Limonade

10 g auf 330 ml

zugesetzte Mischung verschiedener löslicher Fasern

Super Pop "Pink Grapefruit-Kumquat"

Erfrischungs-getränk

6 g auf 330 ml

u. a. Tapiokadextrin, Topinamburpulver und Gummi arabicum

Nurisan

Pflanzenpulver-mischung

6,4 g auf 20 g Pulver

aus den eingesetzten pflanzlichen Zutaten

Wichtig: Bei dieser Tabelle handelt es sich weder um einen Produkttest noch um eine Rangliste. Die vier Produkte gehören verschiedenen Lebensmittelkategorien an und werden in unterschiedlichen Mengen verwendet. Der Vergleich zeigt ausschließlich, wie unterschiedlich die Möglichkeiten sind, Ballaststoffe in ein Produktkonzept einzubinden. Gerade deshalb ist er so interessant.

Wo ordnet sich Nurisan ein?

Nurisan besteht aus 14 pflanzlichen Bio-Zutaten, darunter Hanfprotein, Traubenkernmehl, Rote Bete, Kakao, Hagebutte, Gerstengras, Kurkuma, Brennnesselblatt, Reishi, Ceylon-Zimt, Löwenzahnblatt, Ingwer und schwarzer Pfeffer.

Die trockene Mischung enthält 32 g Ballaststoffe und 21 g Protein pro 100 g.

In einer Portion von 20 g stecken entsprechend 6,4 g Ballaststoffe. Der entscheidende Unterschied liegt für uns allerdings nicht darin, daraus einen Wettbewerb um die höchste Zahl zu machen.

So enthält beispielsweise eine Dose FIZI mehr Ballaststoffe als eine 20-g-Portion Nurisan.

Interessanter ist, wie diese Ballaststoffe ins Produkt gelangen.

Bei Nurisan wird keine isolierte Ballaststoffmischung zugesetzt, um einen bestimmten Ballaststoffwert zu erreichen. Der Ballaststoffgehalt entsteht vielmehr aus der Kombination der verwendeten pflanzlichen Lebensmittel. Damit kommen gleichzeitig deren weitere natürliche Bestandteile mit ins Produkt.

Das macht Nurisan jedoch nicht zu einem Ersatz für Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse oder Vollkornprodukte. Und genau das soll es auch nicht sein.

Die sinnvollste Grundlage für eine ballaststoffreiche Ernährung ist und bleibt eine abwechslungsreiche Auswahl pflanzlicher Lebensmittel.

Nurisan ist vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, um unkompliziert mehr Pflanzenvielfalt und Ballaststoffe in den bestehenden Speiseplan einzubauen.

Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Fünf Fragen, die mehr verraten als „Wie viel Ballaststoff ist drin?“

Anstatt Produkte ausschließlich anhand der großen Zahlen auf der Vorderseite zu beurteilen, lohnt es sich, ein kleines Fünf-Fragen-System anzuwenden.

Der neue Ballaststofftrend bietet eine Chance. Vielleicht lernen wir dadurch endlich wieder, Zutatenlisten zu lesen.

Anstatt Produkte ausschließlich anhand der großen Zahlen auf der Vorderseite zu beurteilen, lohnt es sich, ein kleines Fünf-Fragen-System anzuwenden.

Das ist und bleibt wichtig.

Sind sie natürlicher Bestandteil der verwendeten Lebensmittel oder werden bestimmte Fasern gezielt zugesetzt?

Beides kann legitim sein – es sind nur unterschiedliche Konzepte.

Löslichkeit, Viskosität, Struktur und Fermentierbarkeit unterscheiden sich teilweise erheblich. [57]

Protein? Fett? Zucker? Mineralstoffe? Pflanzliche Rohstoffe? Oder im Wesentlichen Wasser, Aroma, Süßung und zugesetzte Fasern?

  • Eine ballaststoffreiche Limonade macht Gemüse nicht überflüssig.

  • Ein Pflanzenpulver ersetzt keine abwechslungsreiche Ernährung.

  • Und ein ballaststoffreiches Dessert wird nicht allein aufgrund eines Claims zur Basis des Speiseplans.

Diese fünfte Frage ist vermutlich die wichtigste.

Das eigentliche Problem ist nicht „Functional Food“

Aus der aktuellen Entwicklung einen Kulturkampf zu machen, wäre zu einfach.

⇒ Industrie gegen Natur.

⇒ Zusatzstoffe gegen ganze Pflanzen.

⇒ FIZI gegen Vollkornbrot.

Das führt allerdings am interessanten Punkt vorbei.

Produkte wie FIZI zeigen etwas Positives: Die Lebensmitteltechnologie kann einen klassischen Softdrink so verändern, dass er praktisch keinen Zucker mehr enthält, aber gleichzeitig eine relevante Menge Ballaststoffe liefert. Im direkten Vergleich zu einer stark zuckerhaltigen Limonade kann das durchaus eine interessante Alternative darstellen.

Dr. Oetkers „High Fibre Drinks” zeigen wiederum, dass sich ein etabliertes Milchgetränk mit einer zusätzlichen Ballaststoffkomponente formulieren lässt.

Auch das ist zunächst einmal eine Erweiterung von Produkteigenschaften.

Problematisch wird es erst, wenn wir als Verbraucher eine hervorgehobene Eigenschaft mit der Gesamtqualität eines Lebensmittels gleichsetzen.

Genau dabei hilft ein Blick auf die Rückseite der Verpackung.

Nicht, um Produkte zu „entlarven“, sondern um sie zu verstehen.

Video: Ballaststoffe erleben gerade einen riesigen Hype.

Ein Beitrag des BR. Ballaststoffe erleben derzeit einen regelrechten Hype. Sie gelten als ultimative Stoffwechselmanager, Blutzuckerbremse, natürlicher Appetitzügler und High-End-Futter für das Darmmikrobiom. Beim Trend „Fibermaxxing” ist das Ziel, die Ballaststoffzufuhr zu maximieren. Hier erfahrt ihr, was Ballaststoffe im Körper bewirken, welche Lebensmittel besonders ballaststoffreich sind und ob sogenannte High-Fiber-Limonaden etwas bringen.

Fazit: Willkommen im Ballaststoffzeitalter – aber bitte mit Blick auf das ganze Lebensmittel

Dass große Lebensmittelhersteller Ballaststoffe für sich entdecken, ist wahrscheinlich ein gutes Zeichen.

Ein Nährstoffthema, das jahrzehntelang kaum Beachtung fand, erreicht plötzlich Millionen Menschen. Vielleicht denken mehr Menschen erstmals darüber nach, wie viele Ballaststoffe sie zu sich nehmen. Wenn das passiert, hat der aktuelle Trend bereits etwas erreicht.

Der eigentliche Trend wird dadurch noch deutlicher:

Mit Dr. Oetker High Fibre, More FIZI und Super Pop sehen wir nicht einfach drei neue Getränke.

Wir erleben eine Verschiebung in der Entwicklung und Vermarktung von Lebensmitteln.

FIZI liefert beispielsweise rund 10 g Ballaststoffe pro Dose durch eine Mischung verschiedener zugesetzter löslicher Fasern.

Super Pop liefert rund 6 g und kombiniert diese mit weiteren Zutaten wie Apfelessig und inaktiviertem Lactobacillus plantarum.

Dr. Oetker kombiniert wiederum 8 bis 9 g Ballaststoffe mit einem Milchgetränk, das gleichzeitig Protein, Zucker und Vitamin B12 enthält.

Alle drei Produkte werben mit demselben großen Thema – Ballaststoffe.

Ernährungsphysiologisch können sie jedoch vollkommen unterschiedlich sein.

Wir sollten jedoch nicht den gleichen Fehler wie zuvor wiederholen.

Zuerst war es die eine Zahl mit dem Fett.

Dann Protein.

Dann Zucker.

Jetzt sind es Ballaststoffe.

Ernährung funktioniert jedoch nicht wie eine Excel-Tabelle, in der eine grüne Zelle alle roten überschreibt.

  • 9 Gramm Ballaststoffe bleiben 9 Gramm Ballaststoffe.

  • 26 Gramm Zucker bleiben 26 Gramm Zucker.

  • Zehn Gramm zugesetzte lösliche Fasern bleiben zehn Gramm Ballaststoffe.

  • Und 14 pflanzliche Zutaten bleiben 14 pflanzliche Zutaten.

All diese Informationen dürfen gleichzeitig wahr sein.

Die Aufgabe eines mündigen Verbrauchers besteht deshalb nicht darin, die nächste Wunderzahl zu finden. Sondern darin, das gesamte Lebensmittel zu betrachten.

Wer Ballaststoffe lieber über eine Mischung pflanzlicher Lebensmittel aufnehmen möchte, findet heute auch Produkte, die keine zugesetzten Ballaststoffe enthalten, sondern deren Ballaststoffe aus den verwendeten Pflanzenzutaten stammen.

Vielleicht ist genau das der sinnvollste Nebeneffekt des Ballaststoff-Hypes. Wir schauen wieder genauer hin, was eigentlich drin ist.

FAQ - Häufige Fragen zu High Fibre Drinks und Ballaststoff-Limonaden

Sind die Dr. Oetker High Fibre Drinks wirklich ballaststoffreich?

Ja, die aktuellen Sorten enthalten pro 330-ml-Flasche etwa 8,4 bis 9,0 g Ballaststoffe. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine werbliche Bezeichnung ohne entsprechenden Ballaststoffgehalt. Die gesetzliche Bezeichnung „hoher Ballaststoffgehalt“ beziehungsweise entsprechende Angaben sind an definierte Mindestmengen gebunden.

Enthält der „Dr. Oetker High Fibre Drink” tatsächlich 26 g Zucker?

Die Schoko-Variante enthält laut Hersteller 26 g Gesamtzucker pro 330 ml, die Banane-Variante 27 g und die Bourbon-Vanille-Variante ebenfalls 26 g. Dabei ist wichtig: Der Hauptbestandteil ist Milch, die natürlicherweise Laktose enthält. Zusätzlich ist Zucker in der Zutatenliste aufgeführt. Wie viel der 26–27 g auf zugesetzten Zucker und wie viel auf Milchzucker entfällt, lässt sich aus der Nährwerttabelle allein nicht exakt bestimmen.

Wie viele Ballaststoffe enthält Super Pop?

Für eine 330-ml-Dose gibt Super Pop rund 6 g Ballaststoffe an. Bei der Sorte „Pink Grapefruit-Kumquat“ stammen diese unter anderem aus löslichem Tapiokadextrin, Topinamburpulver und Gummi arabicum. Das Produkt enthält laut Deklaration 0 g Zucker und wird mit Steviolglycosiden gesüßt.

Enthält More FIZI tatsächlich keinen Zucker?

Laut aktueller Herstellerangaben enthält FIZI 0 g Zucker pro 100 ml bzw. pro Dose. Je nach Sorte wird es unter anderem mit Mönchsfruchtauszug und Steviolglycosiden gesüßt.

Woher stammen die 10 g Ballaststoffe in FIZI?

Sie werden in Form einer Ballaststoffmischung zugesetzt. Bei der Sorte „Lemon Lime” nennt More Nutrition als Zutaten unter anderem lösliche Maisfasern, Tapiokadextrin, Akazien-Ballaststoffe und teilhydrolysiertes Guarkernmehl.

Sind zugesetzte Ballaststoffe schlechter als natürlich vorkommende?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Unterschiedliche Ballaststoffe haben je nach Struktur, Löslichkeit, Viskosität und Fermentierbarkeit unterschiedliche Eigenschaften. Auch isolierte oder technologisch gewonnene Fasern können physiologisch relevant sein. Gleichzeitig liefern ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel neben den Ballaststoffen zahlreiche weitere Nährstoffe und Pflanzenbestandteile.

Sind natürliche Ballaststoffe automatisch besser?

Auch „natürlich” ist keine ausreichende wissenschaftliche Qualitätskategorie. Zudem unterscheiden sich unterschiedliche natürliche Ballaststoffquellen stark in ihren Eigenschaften. Die DGE empfiehlt deshalb, Ballaststoffe aus verschiedenen Lebensmittelquellen aufzunehmen.

Kann ich meine tägliche Ballaststoffmenge mit einem Drink erreichen?

Ein ballaststoffreiches Getränk kann zur täglichen Ballaststoffzufuhr beitragen. Die DGE empfiehlt für die praktische Ernährung allerdings insbesondere Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte. Ein einzelnes Produkt sollte deshalb nicht mit einer abwechslungsreichen, ballaststoffreichen Ernährung gleichgesetzt werden.

Fehlen jedem Menschen in Deutschland täglich etwa 10 g Ballaststoffe?

Nein, die häufig zitierte „Ballaststofflücke“ ergibt sich aus dem Vergleich eines Richtwerts mit den durchschnittlichen Verzehrsdaten. Während die DGE eine Zufuhr von mindestens 30 g pro Tag empfiehlt, ermittelte die NVS II im Mittel rund 18 g für Frauen und 19 g für Männer. Die individuelle Zufuhr kann jedoch erheblich darüber oder darunter liegen.

Woran erkenne ich ein gutes, ballaststoffreiches Lebensmittel?

Nicht an einem einzigen Merkmal. Sinnvoll ist es, die Ballaststoffmenge, die Ballaststoffquelle, die Zutatenliste, das Nährwertprofil, die Lebensmittelmatrix und die Rolle des Produkts in der gesamten Ernährung gemeinsam zu betrachten.

Was unterscheidet Nurisan von klassischen Ballaststoffprodukten?

Nurisan wird nicht durch den Zusatz einer isolierten Ballaststoffmischung ballaststoffreich. Die Mischung besteht aus 14 pflanzlichen Bio-Lebensmitteln und enthält 32 g Ballaststoffe sowie 21 g Protein pro 100 g. Es ist somit kein reines Faserpräparat, sondern eine pflanzliche Lebensmittelpulvermischung, die sich als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung eignet.

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Ballaststoffen. Aktualisiert 07.05.2026. DGE/D-A-CH-Referenzwerte: mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag für Erwachsene.

[2] Europäische Union: Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Anhang: Bedingungen für „Ballaststoffquelle“ und „hoher Ballaststoffgehalt“.

[3] Dr. Oetker: Produktinformationen High Fibre Drink Schoko-Geschmack, Banane und Bourbon-Vanille; Zutaten und Nährwerte, Stand 2026.

[4] More Nutrition: More FIZI, aktuelle Zutaten- und Nährwertdeklaration, Stand September 2026.

[5] Gill SK, Rossi M, Bajka B, Whelan K. Dietary fibre in gastrointestinal health and disease. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2021;18:101–116. doi:10.1038/s41575-020-00375-4.

[6] Li X, Wang L, Tan B, Li R. Effect of structural characteristics on the physicochemical properties and functional activities of dietary fiber: A review of structure-activity relationship. International Journal of Biological Macromolecules. 2024;269:132214. doi:10.1016/j.ijbiomac.2024.132214.

[7] Deehan EC et al. Precision Microbiome Modulation with Discrete Dietary Fiber Structures Directs Short-Chain Fatty Acid Production. Cell Host & Microbe. 2020;27(3):389–404.e6. doi:10.1016/j.chom.2020.01.006.

Ergänzende wissenschaftliche Einordnung: Wastyk HC et al. Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. Cell. 2021;184(16):4137–4153.e14. doi:10.1016/j.cell.2021.06.019. Die Studie unterstreicht zugleich, dass Reaktionen auf ballaststoffreiche Ernährungsinterventionen individuell sein können und einfache Mikrobiomversprechen nicht gerechtfertigt sind.

[8] Aguilera JM. The food matrix: implications in processing, nutrition and health. Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2019;59(22):3612–3629. doi:10.1080/10408398.2018.1502743.

[9] Shahidi F, Pan Y. Influence of food matrix and food processing on the chemical interaction and bioaccessibility of dietary phytochemicals: A review. Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2022;62(23):6421–6445. doi:10.1080/10408398.2021.1901650.

[10] Reynolds A et al. Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. The Lancet. 2019;393(10170):434–445. doi:10.1016/S0140-6736(18)31809-9.

[11] Threapleton DE et al. Dietary fibre intake and risk of cardiovascular disease: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2013;347. doi:10.1136/bmj.f6879.

[12] Fernan C, Schuldt JP, Niederdeppe J. Health Halo Effects from Product Titles and Nutrient Content Claims in the Context of “Protein” Bars. Health Communication. 2018;33(12):1425–1433. doi:10.1080/10410236.2017.1358240.

[13] Dr. Oetker: Presseinformation High Fibre: Ballaststoffreicher Genuss in drei leckeren Sorten. 11.06.2026.

[14] Lane MM et al. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: umbrella review of epidemiological meta-analyses. BMJ. 2024;384. doi:10.1136/bmj-2023-077310.

[15] Nurisan®: aktuelle Produktdeklaration. 14 pflanzliche Bio-Zutaten; 32 g Ballaststoffe und 21 g Protein je 100 g. Stand September 2026.

[16] Max Rubner-Institut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (2008): Ergebnisbericht, Teil 2 Nationale Verzehrsstudie II

[17] Augustin, Livia S. A., Anne-Marie Aas, Arnie Astrup, Fiona S. Atkinson, Sara Baer-Sinnott, Alan W. Barclay, Jennie C. Brand-Miller, Furio Brighenti, Monica Bullo, Anette E. Buyken, und et al. (2020): “Konsens über Diätfasern vom International Carbohydrate Quality Consortium (ICQC)” Nutrients 12, Nr. 9: 2553. https://doi.org/10.3390/nu12092553

[18] Sloan, K.J., McRorie, J.W. (2022). Ballaststoffe: Nicht alle Ballaststoffe sind gleich. In: Wilson, T., Temple, N.J., Bray, G.A. (Hrsg.) Ernährungsleitfaden für Ärzte und verwandte Gesundheitsberufe. Ernährung und Gesundheit. Humana, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-030-82515-7_33

[19] EFSA – European Food Safety Authority: Sicherheitsbewertung und Neubewertung von Zusatzstoffen

 [20] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Internationale Zusammenarbeit beim Nutri-Score – Weiterentwicklung und koordinierte Umsetzung des neuen Algorithmus. Der neue Algorithmus gilt in Deutschland seit 1. Januar 2024; die Übergangsfrist für Altkennzeichnungen endete zum 1. Januar 2026. Für Getränke werden Süßstoffe mit vier zusätzlichen ungünstigen Punkten berücksichtigt.

[21] Scientific Committee of the Nutri-Score: Update of the Nutri-Score algorithm for beverages. Der aktuelle Getränkealgorithmus berücksichtigt unter anderem Zucker, Energie, Salz, Süßstoffe, Protein und Ballaststoffe; bei Ballaststoffen beginnt die positive Bepunktung oberhalb von 3 g/100 ml.

[22] BMLEH: Fragen und Antworten für Verbraucherinnen und Verbraucher zum Nutri-Score. Der Nutri-Score ist freiwillig und berücksichtigt bewusst nur ausgewählte Bestandteile des Nährwertprofils; andere Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Aromen werden nicht unmittelbar abgebildet.

[23] Super Pop GmbH: SUPER POP Story / Produktkonzept. Herstellerangaben zu 6 g Ballaststoffen pro Dose, Apfelessig und inaktiviertem Lactobacillus plantarum, abgerufen September 2026.

[24] Super Pop GmbH: SUPER POP Erfrischungsgetränk Pink Grapefruit-Kumquat, aktuelle Zutaten- und Nährwertdeklaration. 1,82 g Ballaststoffe/100 ml, 0 g Zucker/100 ml; Zutaten u. a. Tapiokadextrin, Topinamburpulver, Gummi arabicum und Steviolglycoside, Stand September 2026

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