Tradition trifft Wissenschaft: Erfahre alles über Inhaltsstoffe, echte Wirkungsnachweise, Extraktionsverfahren und die richtige Verwendung von Reishi.
Geschrieben von Dario
Fachberater für holistische Gesundheit (AKN)®
Der Reishi-Pilz sieht aus, als hätte man einen gewöhnlichen Baumpilz sorgfältig lackiert.
Je nach Wuchsform erinnert sein rotbrauner, glänzender Fruchtkörper an einen kleinen Fächer, einen überdimensionierten Löffel oder ein kunstvoll geschwungenes Stück Holz.
Kulinarisch ist er allerdings weniger zugänglich als Champignon, Steinpilz oder Austernseitling.
Sein Fruchtkörper ist zäh, faserig und ausgesprochen bitter.
Deshalb wird Reishi traditionell nicht als gebratener Speisepilz gegessen, sondern getrocknet, ausgekocht oder zu Pulver und Extrakten verarbeitet.
In Ostasien besitzt der Pilz eine lange kulturelle und medizinische Tradition. Unter den Namen Lingzhi und Reishi wurde er mit Langlebigkeit, Lebenskraft und Wohlbefinden in Verbindung gebracht.
Die moderne Forschung untersucht vor allem seine β-Glucane, weitere Polysaccharide sowie eine große Gruppe bitterer Triterpene, zu denen die Ganoderinsäuren gehören.
Das wissenschaftliche Bild ist jedoch deutlich nüchterner als sein traditioneller Ruf. Zell- und Tierstudien liefern zahlreiche interessante Mechanismen. Die Humanforschung ist dagegen klein, uneinheitlich und häufig auf spezielle Extrakte beschränkt.
Eine Behandlung von Krebs, Diabetes, Erschöpfung oder Immunproblemen durch den Verzehr von Reishi ist nicht ausreichend belegt [22, 23, 24].
Dennoch ist der Pilz eine bemerkenswerte Lebensmittelzutat. Sein Fruchtkörper vereint Pilzfasern, β-Glucane, Proteine, Sterole, Mineralstoffe und sekundäre Pilzmetaboliten in einer komplexen Matrix.
Reishi steht damit an einer interessanten Schnittstelle: tief in der Tradition verwurzelt, modern verarbeitet und wissenschaftlich noch längst nicht vollständig verstanden.
die 7 wichtigsten Fakten für Schnell-Leser
Der Reishi gehört zur Pilzgattung Ganoderma. Diese umfasst zahlreiche holzbewohnende Porlinge, die an lebenden oder abgestorbenen Bäumen wachsen.
Sie bauen Bestandteile des Holzes ab und spielen somit eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf von Wäldern.
Der sichtbare Pilz ist lediglich der Fruchtkörper. Der eigentliche Organismus besteht größtenteils aus einem Geflecht feiner Pilzfäden, dem sogenannten Myzel, das das Holz oder ein anderes Substrat durchzieht.
Reife Fruchtkörper bilden auf ihrer Unterseite keine Lamellen, sondern zahlreiche feine Poren aus. In diesen entstehen die Sporen, mit denen sich der Pilz verbreitet.
Typisch für viele als „Reishi“ bezeichnete Arten ist eine glänzende, lackartig wirkende Oberfläche.
Der Fachbegriff dafür lautet „laccat“. Farbe und Form können je nach Art, Stamm, Alter, Licht, Luftzufuhr und Anbaumethode deutlich variieren.
In der Natur wachsen entsprechende Ganoderma-Arten an verschiedenen Laubbäumen.
Für die kontrollierte Kultivierung werden traditionell Holzstämme oder moderne Substratblöcke aus Sägemehl, Holzspänen und weiteren pflanzlichen Bestandteilen verwendet [1–3].
In westlichen Produkten und älteren wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird der Reishi fast immer als Ganoderma lucidum bezeichnet.
Diese Bezeichnung ist zwar historisch verbreitet, botanisch jedoch nicht immer korrekt.
Das europäische Ganoderma lucidum im engeren Sinne ist nicht zwingend dieselbe Art wie jener Pilz, der in Ostasien seit Langem als Lingzhi kultiviert wird.
Molekulargenetische Untersuchungen ordnen viele ostasiatische Kulturen heute Ganoderma lingzhi oder eng verwandten Arten zu [4–6].
Eine Untersuchung kommerzieller Reishi-Produkte zeigte, dass die Angaben auf den Verpackungen häufig nicht mit den Ergebnissen genetischer Analysen übereinstimmten. Offenbar wurde der Name G. lucidum vielfach als Sammelbezeichnung für glänzende Ganoderma-Arten verwendet [7].
Dies ist nicht nur eine botanische Spitzfindigkeit.
Verschiedene Arten und Stämme können unterschiedliche Triterpen- und Polysaccharidprofile besitzen.
Wird in einer Studie eine klar identifizierte Art untersucht, kann das Ergebnis nicht automatisch auf jedes Produkt mit der Aufschrift „Reishi” übertragen werden.
Für einen allgemein verständlichen Artikel ist der Begriff „Reishi” dennoch sinnvoll. Man sollte nur wissen: Hinter dem bekannten Namen kann sich eine ganze Pilzverwandtschaft verbergen.
Reishi-Produkte können aus verschiedenen Teilen bzw. Entwicklungsstadien des Pilzes gewonnen werden.
Der Fruchtkörper ist die sichtbare, feste Pilzstruktur. Er besteht aus einem dichten Netzwerk von Pilzhyphen und enthält einen hohen Anteil an Gerüstsubstanzen.
Je nach Probe wurden große Mengen an Ballaststoffen und komplexen Kohlenhydraten sowie kleinere Anteile an Proteinen, Fetten und Mineralstoffen beschrieben.
Die Werte schwanken jedoch erheblich je nach Art, Stamm, Substrat, Reifegrad und Analysenmethode [1, 8].
Der Fruchtkörper ist insbesondere für seine lanostanartigen Triterpene bekannt. Diese sind für die ausgeprägte Bitterkeit verantwortlich.
Das Myzel bezeichnet das fadenförmige Pilzgeflecht, das im Nährsubstrat wächst. Für die kommerzielle Produktion wird es häufig in Flüssigkulturen oder auf Getreide bzw. anderen pflanzlichen Substraten kultiviert.
Myzel kann Polysaccharide, Sterole, Proteine und verschiedene sekundäre Stoffwechselprodukte enthalten.
Sein Profil ist jedoch nicht identisch mit dem des ausgereiften Fruchtkörpers.
Wird Myzel auf Getreide gezüchtet und anschließend zusammen mit dem gesamten Substrat getrocknet und vermahlen, können neben den Pilzbestandteilen auch größere Mengen Stärke aus dem Anbaumedium enthalten sein.
Die Bezeichnung „Reishi-Myzelpulver” sagt deshalb allein noch wenig über den tatsächlichen Pilzanteil aus
Sporen sind mikroskopisch kleine Fortpflanzungseinheiten, die aus den Poren reifer Fruchtkörper freigesetzt werden.
Sie besitzen eine widerstandsfähige Hülle und enthalten unter anderem Lipide, Polysaccharide und Triterpene.
Bei sogenannten „aufgebrochenen“ oder „entwandeten“ Sporen wird die harte Sporenwand mechanisch oder technologisch beschädigt. Dadurch sollen die eingeschlossenen Bestandteile leichter zugänglich werden.
Ob sich daraus ein klinisch relevanter Vorteil ergibt, ist nicht ausreichend belegt. Studien mit einem bestimmten Sporenpräparat gelten außerdem nicht automatisch für Fruchtkörper- oder Myzelpulver [9, 10].
Wie andere Pilze auch besitzt Reishi keine pflanzliche, sondern eine pilztypische Lebensmittelmatrix.
Dazu gehören unter anderem:
Die genaue Zusammensetzung ist sehr variabel.
Selbst innerhalb derselben Art können Stamm, Holzart, Kultivierungsbedingungen, Temperatur, Licht und Erntezeitpunkt die Gehalte verändern [2, 8, 11].
Deshalb ist eine allgemeine Tabelle mit den „Nährwerten des Reishi“ nur begrenzt übertragbar. So kann beispielsweise ein junger kultivierter Fruchtkörper anders zusammengesetzt sein als ein Wildfund, ein Extrakt oder ein Myzelprodukt.
β-Glucane sind Polysaccharide, die aus vielen miteinander verbundenen Glucoseeinheiten bestehen.
Dabei ist nicht nur der Grundbaustein Glucose entscheidend, sondern auch die Art, wie die einzelnen Moleküle miteinander verknüpft und verzweigt sind.
In Ganoderma-Arten wurden insbesondere β-Glucane mit einem β-(1→3)-verknüpften Grundgerüst und β-(1→6)-verknüpften Seitenketten beschrieben. Je nach Fruchtkörper, Myzel, Spore und Extraktionsmethode können jedoch unterschiedliche Strukturen und Molekülgrößen entstehen [12, 13].
β-Glucane sind Bestandteile der Pilzzellwand.
Sie erfüllen dort strukturelle Funktionen. Im menschlichen Verdauungssystem werden sie nicht wie gewöhnliche Stärke vollständig zu Glucose abgebaut.
Ein Teil von ihnen kann mit Zellen des angeborenen Immunsystems beziehungsweise mit Rezeptoren im Verdauungstrakt interagieren. Außerdem können die unverdauten Polysaccharide den Dickdarm erreichen und werden dort teilweise von Mikroorganismen verarbeitet.
Viele Pilzprodukte werben mit einem hohen Gehalt an Polysacchariden. Diese Angabe kann jedoch missverständlich sein.
Polysaccharide umfassen sämtliche Vielfachzucker.
Ein hoher allgemeiner Polysaccharidwert beweist deshalb nicht, dass ein Produkt besonders viele pilztypische β-Glucane enthält.
Dies ist insbesondere bei Myzelprodukten auf Getreidesubstrat relevant. Bei einer allgemeinen Polysaccharidanalyse wird Stärke aus Reis, Hafer oder anderen Getreiden möglicherweise mit erfasst.
Ein großer Zahlenwert auf der Verpackung ist also nur dann hilfreich, wenn klar ist, was gezählt wurde.
Reishi zeichnet sich durch eine außergewöhnlich große Vielfalt lanostanartiger Triterpene aus.
Dazu gehören unter anderem:
In den Ganoderma-Arten wurden inzwischen mehrere hundert Triterpenstrukturen beschrieben. Nicht alle kommen in jedem Pilz vor. Art, Stamm, Entwicklungsstadium und Extraktionsverfahren beeinflussen das Profil erheblich [11, 14].
Triterpene sind eher fett- bzw. alkohollöslich als wasserlöslich. Ein einfacher Heißwasserauszug enthält deshalb nicht dasselbe Spektrum wie ein alkoholischer oder kombinierter Extrakt.
Die Stoffe tragen wesentlich zur bitteren Geschmacksnote des Pilzes bei.
In Zell- und Tiermodellen werden sie unter anderem hinsichtlich Entzündungs-, Leber-, Stoffwechsel- und Tumorprozessen untersucht.
Bei entsprechenden Konzentrationen zeigen sich erste Tendenzen. Das macht die Triterpene wissenschaftlich so interessant. Das heißt jedoch nicht, dass ein Löffel Pilzpulver ein Therapeutikum wird.
Es zeigt einmal mehr das Potenzial von Prävention. Das heißt, dass eine gesunde Lebensführung, in die solche Lebensmittel standardmäßig integriert sind, sich möglicherweise positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken kann.
Die Magie von Ergosterol besteht darin, dass dieser pilztypische Sterolstoff unter geeigneter UV-Bestrahlung zu Vitamin D₂ umgewandelt werden kann.
Das ist auch der Grund, warum Pilze in der Literatur als Vitamin-D-haltig erwähnt werden. Nach entsprechender Bearbeitung stimmt das auch, fehlt jedoch eine kontrollierte UV-Exposition, wird der Vitamin-D-Gehalt gering bis gar nicht vorhanden sein.
Wer Wert auf eine ausreichende Versorgung mit dem „Sonnenhormon” legt, sollte sich deshalb nicht auf Pilze, insbesondere nicht auf den Reishi-Pilz, verlassen.
Das sind auch nicht die ernährungsphysiologischen Stärken dieser Lebensmittel. Anhand der Pilzart oder der braunen Farbe lässt sich nicht erkennen, inwiefern der Pilz Vitamin D-haltig ist [15].
In Analysen von Reishi-Fruchtkörpern wurden unter anderem die Mineralstoffe Kalium, Phosphor, Magnesium, Calcium, Eisen, Zink, Kupfer und Selen nachgewiesen. Auch Proteine und verschiedene Aminosäuren sind enthalten [1, 8].
Wie relevant diese Mengen für die tägliche Ernährung sind, hängt von zwei Punkten ab:
Reishi ist ernährungsphysiologisch eher wegen seiner Pilzmatrix, der Ballaststoffe und der spezialisierten Metaboliten interessant als wegen seiner Rolle als grundlegende Protein- oder Mineralstoffquelle.
Der Pilz hat unter den Namen Lingzhi (chinesisch) und Reishi (japanisch) eine lange kulturelle Tradition.
Historische Darstellungen zeigen ihn als Symbol für Langlebigkeit, Glück und spirituelle Kraft.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wurden verschiedene Ganoderma-Arten bzw. Farbausprägungen mit unterschiedlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Die chinesische Pharmakopöe listet definierte Ganoderma-Arten als medizinische Rohstoffe auf [16]. Traditionelle Einordnungen folgen jedoch einem anderen medizinischen System als moderne klinische Studien.
Die historische Verwendung kann Hinweise auf Verträglichkeit, kulturelle Bedeutung und mögliche Forschungsfragen geben. Sie beweist jedoch keine Wirksamkeit nach heutigen wissenschaftlichen Kriterien.
Auch die traditionelle Zubereitung ist von Bedeutung: Der zähe Fruchtkörper wurde häufig über einen längeren Zeitraum in Wasser ausgekocht. Ein hoch konzentrierter Doppel-Extrakt oder ein aufgebrochenes Sporenpulver sind nicht identisch mit einer historischen Abkochung.
Hier treffen Tradition und moderne Produkttechnologie zwar auf derselben Verpackung aufeinander, chemisch aber nicht unbedingt im selben Getränk.
Welche Stoffe im Endprodukt angereichert werden, hängt von der verwendeten Extraktionsmethode ab.
Heißes Wasser löst vor allem wasserlösliche Bestandteile. Dazu zählen bestimmte Polysaccharide sowie kleinere wasserlösliche Moleküle.
Traditionelle Abkochungen gehören grundsätzlich in diese Kategorie. Industrielle Heißwasserextrakte können jedoch stärker konzentriert und anschließend sprüh- oder gefriergetrocknet werden.
Alkohol beziehungsweise Alkohol-Wasser-Gemische lösen einen größeren Anteil bestimmter Triterpene sowie weiterer, weniger wasserlöslicher Verbindungen.
Bei einem Doppel-Extrakt werden die Verfahren der Wasser- und Alkoholextraktion kombiniert. Das Ziel besteht darin, ein breiteres Stoffspektrum zu erhalten.
Der Begriff „Doppel-Extrakt“ erhält erst durch weitere Informationen eine Qualitätseinstufung. Wichtig wären zusätzlich folgende Informationen:
Ein Extraktionsverhältnis von beispielsweise 10:1 bedeutet zudem nicht automatisch, dass das Produkt zehnmal „wirksamer“ ist.
Es beschreibt zunächst ein technologisches Verhältnis zwischen Ausgangsmaterial und Extrakt.
In Labor- und Tiermodellen können Pilz-β-Glucane verschiedene Immunzellen und Rezeptoren beeinflussen. Daraus entstand die populäre Aussage, Reishi „stärke“ oder „booste“ das Immunsystem.
In Humanstudien wurden unter anderem Veränderungen von:
In einer randomisierten Studie an gesunden Erwachsenen wurden nach der Einnahme eines isolierten Reishi-β-Glucans Veränderungen bestimmter Immunparameter beobachtet.
Dabei wurde jedoch ein definiertes β-Glucan-Präparat untersucht – nicht ein gewöhnliches Fruchtkörperpulver [17].
Das Immunsystem ist kein Muskel, den man pauschal möglichst stark machen sollte. Es muss Krankheitserreger abwehren, körpereigene Gewebe tolerieren und Entzündungsreaktionen rechtzeitig beenden.
Eine wahllose „Immunsteigerung” wäre daher nicht automatisch wünschenswert. Bei Allergien und Autoimmunerkrankungen ist das Problem schließlich nicht zu wenig Aktivität, sondern eine fehlgeleitete Reaktion.
In einer älteren, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie wurde die Wirkung eines Polysaccharidextrakts bei Menschen mit sogenannter Neurasthenie untersucht. Nach acht Wochen verbesserten sich einige subjektive Werte unter der Behandlung mit dem Extrakt stärker als unter Placebo [19].
Eine kleine Pilotstudie berichtete außerdem von Verbesserungen bei krebsbezogener Erschöpfung unter Reishi-Sporenpulver. Auch dieses Ergebnis bezieht sich auf eine spezielle Patientengruppe und ein bestimmtes Produkt [20]. Einzelne Studien reichen nicht für eine allgemeine Empfehlung aus.
Reishi wird besonders häufig im Zusammenhang mit Krebs beworben.
Grundlage hierfür sind zahlreiche Zell- und Tierstudien zu Polysacchariden, Triterpenen und Extrakten.
Die Cochrane Collaboration wertete fünf randomisierte Studien mit insgesamt 373 Teilnehmenden aus. Dabei wurde Reishi meist zusätzlich zu einer Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt.
Die Kombination war in der Auswertung mit einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit für ein Ansprechen auf die konventionelle Behandlung verbunden. Reishi allein zeigte jedoch keinen überzeugenden Effekt auf die Tumorverkleinerung.
Die Studien waren klein, methodisch begrenzt und lieferten keine ausreichenden Daten zur langfristigen Überlebenszeit [21].
Pilzpolysaccharide werden im Dünndarm nicht vollständig verdaut. Ein Teil von ihnen kann den Dickdarm erreichen und dort mit den dort ansässigen Mikroorganismen interagieren.
In Tiermodellen veränderten Reishi-Polysaccharide unter anderem:
Die überwiegende Zahl dieser Ergebnisse stammt jedoch aus Tierstudien oder Versuchen mit isolierten Polysacchariden [12, 27].
Für die Aussage, Reishi „baue die Darmflora auf“, verbessere die Darmbarriere oder behandle Verdauungsbeschwerden beim Menschen, fehlt eine ausreichende klinische Grundlage.
Das Mikrobiom ist außerdem das Ergebnis der gesamten Ernährung.
Bei aller Pilzbegeisterung dürfen Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Saaten und andere Pflanzenfasern weiterhin eine Rolle spielen.
Ein Podcast des WDR. Hilft Reishi wirklich gegen Stress und macht Cordyceps uns schneller? Was ist dran an den großen Versprechen rund um Vitalpilze, etwa bei Krebs? In dieser Folge sprechen Doc Esser und Anne darüber, wo die Wissenschaft endet und der Glaube beginnt – und was Vitalpilze tatsächlich für unsere Gesundheit tun können.
Reishi schmeckt typischerweise:
Je nach Produkt schmeckt er außerdem etwas rauchig.
Die Bitterkeit stammt hauptsächlich aus den Triterpenen.
Der Geschmack sollte nicht vollständig überdeckt werden müssen, aber er benötigt gelegentlich etwas kulinarische Begleitung.
Reishi ist geschmacklich eher Charakterdarsteller als Hintergrundkomparse.
Sensorisch lässt sich Reishi gut kombinieren mit:
Aufgrund seiner zähen Struktur wird der gesamte Fruchtkörper selten als Speisepilz verwendet. Verwendet werden vor allem Pulver und Extrakte.
Mögliche Anwendungen sind:
Ein Pulver aus dem ganzen Fruchtkörper enthält auch die unlöslichen Zellwandbestandteile.
Ein Extrakt ist häufig besser löslich und geschmacklich konzentrierter, enthält aber nicht mehr die vollständige ursprüngliche Matrix [28].
Traditionell werden die getrockneten Stücke der Fruchtkörper über einen längeren Zeitraum in Wasser ausgekocht.
Eine typische Zubereitung besteht darin, dünne Scheiben oder grob zerkleinerte Pilze mit Wasser anzusetzen und deutlich länger als einen gewöhnlichen Kräutertee zu kochen. Die genaue Zeit und Menge hängen vom jeweiligen Rohstoff ab.
Das Ergebnis ist in der Regel dunkel, holzig und bitter.
Wasser löst vor allem wasserlösliche Bestandteile. Ein großer Teil der festen Pilzstruktur sowie schlecht wasserlösliche Triterpene verbleiben im Rückstand.
Für selbst gesammelte Fruchtkörper gilt:
Eine verlässliche Bestimmung und eine geeignete Lebensmittelqualität sind daher wichtiger als die romantische Vorstellung von einem spontanen Waldtee.
In klinischen Studien wurde Reishi in der Regel gut vertragen.
Unter anderem wurden folgende Nebenwirkungen beschrieben:
Aufgrund sehr unterschiedlicher Produkte und kleiner Studien lässt sich die Häufigkeit nicht zuverlässig bestimmen.
Eine kleine, kontrollierte Studie mit gesunden Erwachsenen fand bei einer täglichen Einnahme von vier Gramm Extrakt über einen Zeitraum von zehn Tagen keine wesentlichen Sicherheitsprobleme.
Solche kurzen Untersuchungen beantworten jedoch keine Fragen zur langfristigen Einnahme oder zu seltenen Nebenwirkungen [29].
Seltene Berichte über Leberschädigungen machen deutlich, dass ungewöhnliche Beschwerden ernst genommen werden sollten.
Eine allgemein wissenschaftlich anerkannte Tagesdosis für Reishi als Lebensmittel existiert nicht.
Je nach Produkt und Fragestellung wurden in klinischen Studien sehr unterschiedliche Mengen verwendet. Diese reichen von wenigen hundert Milligramm Extrakt bis zu mehreren Gramm Pulver oder isolierter Sporenpräparate. Diese Mengen sind nicht direkt untereinander umrechenbar.
So entspricht ein Gramm eines hoch konzentrierten Doppel-Extrakts nicht einem Gramm unverarbeitetem Fruchtkörperpulver. Ebenso kann sich ein Myzelprodukt stark von beiden unterscheiden.
Für Lebensmittel gilt deshalb: Die Portionsgröße sollte sich an der tatsächlichen Rezeptur, der Produktanalyse und der individuellen Verträglichkeit orientieren. „Viel hilft viel“ ist bei einem bitteren Pilz weder wissenschaftlich noch geschmacklich besonders überzeugend.
Der Reishi ist ein außergewöhnlicher holzbewohnender Pilz mit einer komplexen Matrix aus Pilzfasern, β-Glucanen, weiteren Polysacchariden, Proteinen, Sterolen und bitteren Triterpenen.Seine verschiedenen Bestandteile dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
So besitzen Fruchtkörper, Myzel und Sporen unterschiedliche chemische Profile.Auch die Produktformen Heißwasserextrakt, Alkoholextrakt und vollständiges Pulver sind nicht austauschbar.
Die traditionelle Bedeutung von Lingzhi und Reishi ist kulturell gut belegt. Die moderne klinische Evidenz bleibt dagegen begrenzt.Kleine Studien liefern zwar Hinweise auf Veränderungen einzelner Immunmarker oder subjektiver Erschöpfungswerte, für eine Behandlung von Krebs, Diabetes, Bluthochdruck oder anderen Erkrankungen reichen die Daten jedoch nicht aus. Besonders groß ist die Lücke zwischen Labor und Alltag. Nur weil ein isolierter Stoff in einer Zellkultur bestimmte Signalwege beeinflusst, bedeutet das nicht, dass ein Lebensmittel beim Menschen eine vergleichbare Wirkung hat.
Reishi muss dennoch nicht als wissenschaftliche Enttäuschung gelten. Er ist eine charakterstarke Pilzzutat mit ungewöhnlicher Chemie, langer Verwendungsgeschichte und vielfältigen modernen Verarbeitungsformen.„Traditionell und modern” trifft es deshalb gut. Die Tradition liefert den kulturellen Hintergrund und die moderne Forschung die kritischen Fragen – und der Pilz selbst liefert vor allem eines ziemlich zuverlässig: Bitterkeit mit Persönlichkeit.
Was ist Reishi?
Der Begriff „Reishi” bezeichnet verschiedene eng verwandte Pilze der Gattung Ganoderma. Traditionell wird vor allem der glänzende, rotbraune Fruchtkörper verwendet. Nach moderner Taxonomie gehören viele asiatische Reishi-Produkte eher zu Ganoderma lingzhi als zu Ganoderma lucidum im engeren Sinn.
Kann man den Reishi essen?
Grundsätzlich ist der Pilz als Lebensmittelzutat nutzbar, er ist jedoch sehr zäh und bitter. Deshalb wird er selten wie ein Champignon gegessen. Üblich sind Pulver, Abkochungen und Extrakte.
Welche Wirkung hat Reishi?
Reishi enthält β-Glucane, Polysaccharide und Triterpene, die in Labor- und Tiermodellen verschiedene biologische Aktivitäten zeigen. Beim Menschen sind konkrete gesundheitliche Wirkungen jedoch bislang nur unzureichend belegt. Eine Behandlung von Erkrankungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Stärkt Reishi das Immunsystem?
Bestimmte Reishi-Polysaccharide können zwar Immunmarker beeinflussen. Ob dadurch Infektionen bei gesunden Menschen verhindert oder die Krankheitsabwehr klinisch verbessert wird, ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen. Allgemeine Immun-Health-Claims für Reishi sind in der EU nicht zugelassen [18].
Was ist besser: Fruchtkörper oder Myzel?
Beide besitzen unterschiedliche Profile. Der Fruchtkörper enthält typischerweise eine breite Pilzmatrix sowie zahlreiche Triterpene. Myzel kann ebenfalls Polysaccharide und andere Stoffe bilden. Bei Myzelprodukten ist es wichtig zu wissen, wie viel Anbaumedium im Endprodukt enthalten ist. Ob etwas „besser“ ist, hängt davon ab, welches klar definierte Produkt betrachtet wird und wofür es gedacht ist.
Was ist ein Reishi-Doppel-Extrakt?
Ein Doppel-Extrakt kombiniert in der Regel eine Wasser- und eine Alkoholextraktion. Wasser löst vor allem bestimmte Polysaccharide, Alkohol hingegen verschiedene Triterpene. Das Produkt ist konzentrierter und chemisch anders zusammengesetzt als ein vollständiges Fruchtkörperpulver.
Welche Nebenwirkungen kann Reishi auslösen?
Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, ein trockener Mund, Hautreaktionen, Kopfschmerzen oder Schwindel. Selten wurden im Zusammenhang mit Reishi-Produkten Leberschädigungen beschrieben. Bei ungewöhnlichen Beschwerden sollte die Einnahme beendet und ein Arzt konsultiert werden [25, 26].
Kann man Reishi täglich verwenden?
Es gibt keine belastbare wissenschaftliche Empfehlung für eine allgemeine tägliche Idealmenge. Zudem unterscheidet sich die Zusammensetzung stark zwischen Pulver, Myzel, Sporen und Extrakten. Bei Medikamenteneinnahme, Lebererkrankungen, bevorstehenden Operationen, Schwangerschaft oder Stillzeit sollten konzentrierte Produkte fachlich abgeklärt werden.