Löwenzahn: echte „Power“-Blume statt nur Pusteblume

Löwenzahn unter der Lupe: Mehr als nur ungeliebtes Unkraut! Erfahre alles über Bitterstoffe, Inulin, essbare Teile & leckere Rezeptideen in der Küche.

Inhalte

Einleitung

Löwenzahn ist eine Pflanze, deren Karriere stark vom Standort abhängt.

Wächst er auf einer Wildblumenwiese, gilt er als wertvolle Nahrungsquelle für Insekten. Erscheint er hingegen mitten im sorgfältig gepflegten Rasen, wird er plötzlich zum ungeliebten Unkraut mit bemerkenswert tiefer Pfahlwurzel.

Dabei kann Löwenzahn deutlich mehr, als gelb zu blühen, sich in eine Pusteblume zu verwandeln und anschließend den Nachbargarten zu besiedeln.

Seine jungen Blätter lassen sich als herb-würziges Wildgemüse verwenden.

Die Blüten bringen Farbe und verschiedene Pflanzenpigmente mit. Die Wurzel enthält Ballaststoffe und kann einen erheblichen Anteil Inulin speichern. Hinzu kommen Bitterstoffe, Phenolsäuren, Flavonoide, Carotinoide und weitere sekundäre Pflanzenstoffe, deren Zusammensetzung sich zwischen den einzelnen Pflanzenteilen deutlich unterscheidet.

Traditionell wird Löwenzahn außerdem bei Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit und zur Unterstützung der Urinausscheidung eingesetzt.

Häufig stammen vielversprechende Ergebnisse aus Zellkulturen oder Tiermodellen. Für weitreichende Aussagen zu Leber, Blutzucker, Entzündungen oder Krebs fehlen jedoch belastbare Studien am Menschen.

Die eigentliche „Power” des Löwenzahns liegt deshalb weniger in einer geheimen Heilkraft als in seiner Vielseitigkeit:

Er ist Wildgemüse, Bitterkraut, Wurzelzutat, Insektenweide und Pusteblume in einer Person. Nicht schlecht für eine Pflanze, die vielerorts kostenlos zwischen zwei Gehwegplatten wächst.

Dieser Artikel auf einen Blick

die 7 wichtigsten Fakten für Schnell-Leser

Was ist Löwenzahn eigentlich?

Frisch geernteter Löwenzahn mit gelben Blüten, grünen Blättern und Wurzeln in einem geflochtenen Weidenkorb.

Der Gewöhnliche Löwenzahn trägt den botanischen Namen Taraxacum officinale. Er gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Zu dieser Pflanzenfamilie zählen unter anderem die Sonnenblume, die Kamille, die Artischocke, der Chicorée und verschiedene Salate.

Genau genommen ist Taraxacum officinale jedoch kein botanisch völlig einheitliches Wesen. Die Gattung Taraxacum besteht aus zahlreichen Kleinarten, die sich teilweise nur schwer voneinander unterscheiden lassen.

Viele Löwenzähne vermehren sich ohne klassische Befruchtung.

Dadurch entstehen genetisch relativ stabile Linien, die botanischen Fachleuten deutlich mehr Beschäftigung bieten, als eine gewöhnliche Rasenpflanze zunächst vermuten lässt [1, 2].

Löwenzahn ist eine mehrjährige Pflanze. Seine Blätter bilden dicht über dem Boden eine Rosette. Aus ihrer Mitte wachsen hohle, blattlose Blütenstiele. Unterirdisch entwickelt die Pflanze eine kräftige Pfahlwurzel, in der sie Reservestoffe speichert.

Wird nur die oberirdische Pflanze abgerissen, kann sie aus der verbliebenen Wurzel erneut austreiben.

Der Löwenzahn interpretiert Gartenarbeit gelegentlich eher als persönliche Herausforderung denn als endgültige Entscheidung.

Eine Blüte, die aus vielen Blüten besteht

Löwenzahnblüte und Pusteblume nebeneinander im Vergleich.

Was wie eine einzelne gelbe Blüte aussieht, ist botanisch betrachtet ein ganzer Blütenstand.

Dieser besteht aus zahlreichen kleinen Zungenblüten, die gemeinsam in einem körbchenförmigen Blütenkopf sitzen.

Jede einzelne Blüte kann später eine kleine, einsamige Frucht bilden. Diese wird botanisch als Achäne bezeichnet. An ihrem oberen Ende sitzt ein Haarkranz, der sogenannte Pappus.

Nach der Blüte verlängert sich der Fruchtstiel und der Blütenkopf öffnet sich erneut, sodass die bekannte Pusteblume entsteht.

Der Pappus funktioniert wie ein kleiner Fallschirm und unterstützt so die Verbreitung durch den Wind.

Eine Pusteblume besteht also nicht aus einem großen Samen, sondern aus vielen einzelnen Flugfrüchten.

Die Pflanze verteilt ihre Zukunft gewissermaßen in kleinen Portionen – bevorzugt dorthin, wo gerade ein neuer Rasen angelegt wurde.

Welche Pflanzenteile kann man essen?

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Teile des Löwenzahns kulinarisch nutzen. Diese schmecken und verhalten sich jedoch sehr unterschiedlich.

Frische grüne Löwenzahnblätter als Bitterstoff-Zutat auf einer Holzoberfläche.

Junge Blätter sind meist zarter und weniger bitter als ältere. Sie eignen sich roh oder gegart für:

  • Salate,
  • Kräuterquark,
  • Pesto,
  • Suppen,
  • Gemüsepfannen,
  • Risotto,
  • Omeletts,
  • herzhafte Füllungen.

Mit zunehmendem Alter und nach Beginn der Blüte werden die Blätter oft kräftiger und bitterer. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie plötzlich ungenießbar wären. Sie erfordern lediglich etwas mehr kulinarisches Geschick.

Essbare Löwenzahnknospen im Detail für Wildkräuter-Rezepte und Botanik-Ratgeber.

Geschlossene Knospen können kurz blanchiert, angebraten oder sauer eingelegt werden. Geschmacklich erinnern sie an ein mildes, leicht bitteres Gemüse.

Essbare gelbe Löwenzahnblüten für die Zubereitung in der Küche

Die gelben Zungenblüten eignen sich als farbige Zutat, beispielsweise für:

  • Salaten,
  • Kräuterbutter,
  • Gelees,
  • Sirupen,
  • Desserts,
  • Teigmischungen,
  • oder als Dekoration.


Die grünen Hüllblätter unter dem Blütenkopf schmecken deutlich bitterer als die gelben Blütenblätter.

Essbare Löwenzahnwurzeln mit Erdresten zur Zubereitung in Gerichten oder als Kaffee-Ersatz.

Löwenzahnwurzeln können gekocht, getrocknet, geröstet oder gemahlen werden.

Die geröstete Wurzel wird traditionell als koffeinfreie Kaffeealternative beziehungsweise als Bestandteil entsprechender Mischungen verwendet.

Sie schmecken erdig und bitter, nach dem Rösten zudem leicht karamellig oder nussig.

Botanisch gesehen ist es zwar kein Kaffee, aber ein dunkles Heißgetränk mit Charakter.

Welche Nährstoffe stecken in Löwenzahnblättern?

Frische Löwenzahnblätter bestehen hauptsächlich aus Wasser. Darüber hinaus enthalten sie Ballaststoffe, kleine Mengen Protein und Kohlenhydrate sowie verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenpigmente.

Analysen finden unter anderem:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Eisen,
  • Mangan,
  • Vitamin C,
  • Folat,
  • Vitamin K,
  • Beta-Carotin,
  • Lutein und weitere Carotinoide.

Wie bei anderen Wildpflanzen auch schwanken die Werte erheblich.

Sorte bzw. Kleinart, Boden, Wasserangebot, Licht, Alter der Blätter, Erntezeitpunkt und Verarbeitung beeinflussen die Zusammensetzung der Nährstoffe.

Eine Untersuchung von Löwenzahn aus Brasilien ergab ein interessantes Nährstoff- und Carotinoidprofil.

Diese Werte lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf jede europäische Wildpflanze oder jedes getrocknete Pulver übertragen [3, 4].

Auch die Portionsgröße ist entscheidend. Ein getrocknetes Pulver kann zwar beeindruckende Mineralstoffwerte pro 100 Gramm aufweisen, wird aber häufig nur teelöffelweise eingesetzt. Eine Schüssel frischer Löwenzahnsalat enthält hingegen viel Wasser und wiegt deutlich mehr.

Löwenzahn kann die Pflanzen- und Nährstoffvielfalt einer Ernährung erweitern.

Er ist jedoch weder eine vollständige Multivitaminversorgung noch ein Ersatz für eine Mangelbehandlung, die von einem Arzt diagnostiziert wurde.

Ist Löwenzahn besonders reich an Eisen und Calcium?

Löwenzahnblätter können sowohl Eisen als auch Calcium enthalten.

Die bloße Menge, die in einer Laboranalyse ermittelt wird, erzählt jedoch noch nicht die vollständige Geschichte.

Pflanzliches Eisen liegt überwiegend als Nicht-Häm-Eisen vor. Seine Aufnahme wird von der gesamten Mahlzeit beeinflusst.

Vitamin C kann die Aufnahme verbessern, während bestimmte Polyphenole und andere Pflanzenbestandteile sie verringern können.

Auch Calcium ist nicht automatisch vollständig verfügbar. Oxalate und weitere Verbindungen können Mineralstoffe binden. Die Konzentrationen solcher Stoffe unterscheiden sich wiederum je nach Standort, Pflanzenteil und Verarbeitung.

Löwenzahn darf daher Teil einer mineralstoffreichen Ernährung sein. Aussagen wie „Eine Handvoll Löwenzahn deckt den Eisenbedarf“ sind zwar volksmundgerecht, analytisch jedoch zu pauschal.

Carotinoide: Grün überdeckt Gelb und Orange

In Löwenzahnblättern sind verschiedene Carotinoide enthalten, darunter Beta-Carotin und Lutein.

Die grüne Farbe des Chlorophylls überlagert ihre gelben und orangefarbenen Töne.

Beta-Carotin kann vom Körper teilweise in Vitamin A umgewandelt werden.

Lutein und Zeaxanthin sind Bestandteile der Makula des Auges. Carotinoide sind fettlöslich. Etwas Öl, Nüsse, Samen, Käse oder eine andere Fettquelle in derselben Mahlzeit kann ihre Aufnahme grundsätzlich unterstützen.

Ein Löwenzahnsalat profitiert geschmacklich ohnehin meist von einem guten Dressing – in diesem Fall darf die Biochemie mitessen.

Was macht Löwenzahn so bitter?

Die Bitterkeit des Löwenzahns stammt von verschiedenen Stoffgruppen. Von besonderer Bedeutung sind die Sesquiterpenlactone.

Zu diesen Verbindungen gehören unter anderem Derivate der Taraxin- und Taraxinsäure. Sie kommen vor allem im Milchsaft und in verschiedenen Pflanzenteilen vor. Daneben tragen Phenolverbindungen und weitere Stoffe zum herben Geschmack bei [1, 2, 5].

Für die Pflanze sind Bitterstoffe Teil ihrer chemischen Verteidigung. Sie können Fressfeinde abschrecken und sind an verschiedenen ökologischen Interaktionen beteiligt.

Beim Menschen aktivieren Bitterstoffe entsprechende Geschmacksrezeptoren. Bereits im Mund können sie den Speichelfluss und die sensorischen Verdauungsreize beeinflussen.

Der bittere Geschmack besitzt außerdem eine erstaunliche Lernkurve.

Wer überwiegend sehr milde oder süße Lebensmittel gewohnt ist, empfindet Löwenzahn zunächst häufig als zu intensiv. In Kombination mit Säure, Fett, Salz, Früchten oder Nüssen wirkt er jedoch deutlich ausgewogener.

Bitter ist also nicht automatisch schlecht. Manchmal ist es nur geschmacklich etwas weniger bereit, sich sofort beliebt zu machen.

Sekundäre Pflanzenstoffe des Löwenzahns

Wissenschaftliche Untersuchung von Löwenzahn auf Inhaltsstoffe wie Bitterstoffe, Ballaststoffe und Flavonoide im Labor.

Löwenzahn enthält verschiedene Hydroxyzimtsäuren und Flavonoide.

Zu den häufig beschriebenen Verbindungen gehören unter anderem Chicorée-Säure, Chlorogensäure, Kaffeesäure, Quercetinverbindungen und weitere.

Diese Stoffe sind nicht gleichmäßig über die gesamte Pflanze verteilt. So besitzen Blätter, Blüten, Früchte und Wurzeln unterschiedliche Profile. So wurden beispielsweise Chicorée-Säure und verschiedene Kaffeesäurederivate in mehreren Pflanzenteilen identifiziert, während Flavonoide besonders in den oberirdischen Teilen und den Blüten vorkommen können [68].

In Laborversuchen zeigen Löwenzahnextrakte häufig antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften.

In Zellmodellen beeinflussen isolierte Stoffe wie Luteolin und Chicorée-Säure verschiedene Signalwege.

Solche Ergebnisse belegen eine chemische bzw. zellbiologische Aktivität, stellen aber keine Heilversprechen dar [18].

Im Körper werden Polyphenole freigesetzt, aufgenommen, umgebaut und durch Darmbakterien verstoffwechselt, bevor sie wieder ausgeschieden werden.

Die Konzentrationen am möglichen Wirkort unterscheiden sich häufig deutlich von jenen, die in Zellkulturen verwendet werden.

Wie bei Lebensmitteln üblich, zeigen die Laborergebnisse lediglich Tendenzen, die das gute Gefühl einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung verstärken und Lust auf mehr machen.

Die gelbe Blüte und ihre Pflanzenpigmente

Löwenzahnblüten enthalten Carotinoide und verschiedene phenolische Verbindungen.

Zu den untersuchten Farbstoffen gehören unter anderem Taraxanthin-Derivate, Beta-Carotin und weitere gelbe Pigmente.

Auch Flavonoide und Phenolsäuren sind in den Blüten enthalten [2, 9].

Die Pigmente dienen der Pflanze jedoch nicht dazu, menschliche Speisen hübscher zu machen. Sie sind unter anderem am Lichtschutz, an der Signalwirkung und der Anlockung von Bestäubern beteiligt.

In Laboruntersuchungen können Blütenextrakte Radikale abfangen oder das Wachstum bestimmter Mikroorganismen beeinflussen [18].

Kulinarisch dürfen sie trotzdem Farbe und eine leichte Bitterkeit beisteuern.

Nicht jede Blüte benötigt eine zusätzliche klinische Stellenbeschreibung.

Inulin: der Speicherstoff in der Wurzel

Löwenzahn speichert in seiner Wurzel Fructane, insbesondere Inulin.
Inulin besteht aus miteinander verbundenen Fructoseeinheiten und kann im menschlichen Dünndarm nicht vollständig durch körpereigene Enzyme abgebaut werden.
Es gelangt daher zumindest teilweise in den Dickdarm, wo es von bestimmten Darmbakterien fermentiert werden kann. Inulin wird deshalb als fermentierbarer beziehungsweise präbiotisch nutzbarer Ballaststoff untersucht.
In einer Analyse getrockneter Löwenzahnwurzeln wurden rund 436 Milligramm Inulin sowie insgesamt knapp 40 Prozent Fructane pro Gramm gemessen. Diese Werte gelten jedoch nur für den untersuchten Rohstoff und sind nicht automatisch auf jede Wurzel oder jedes Handelsprodukt übertragbar [10]. Im Laufe des Pflanzenjahres baut die Wurzel Reservestoffe auf und später wieder ab.
Eine im Herbst geerntete Wurzel kann daher ein anderes Kohlenhydratprofil aufweisen als eine junge Frühlingswurzel.

Ist Löwenzahnwurzel gut für das Mikrobiom?

Bestimmte Darmbakterien können Inulin fermentieren. Dabei entstehen unter anderem die kurzkettigen Fettsäuren Butyrat und Acetat.

Diese dienen den Darmzellen und weiteren Stoffwechselprozessen als Substrate.

Größere Mengen Inulin können bei empfindlichen Personen jedoch zu Blähungen, Bauchdruck, Krämpfen oder Durchfall führen.

Die Darmbakterien erfreuen sich zwar an der Nahrung, sind bei der Bearbeitung jedoch manchmal lauter als vom Gastgeber gedacht. 

Löwenzahnblätter und Ballaststoffe

Auch die Blätter enthalten Ballaststoffe. Dazu gehören verschiedene Zellwandbestandteile wie Cellulose, Hemicellulose und Pektin.

Werden die Blätter als Ganzes verzehrt, bleiben diese Pflanzenstrukturen weitgehend erhalten. Ein Tee enthält dagegen vor allem wasserlösliche Stoffe, während die Fasern größtenteils im Aufgussmaterial verbleiben.

Ein Extrakt kann wiederum gezielt einzelne Stoffgruppen konzentrieren und ein völlig anderes Profil aufweisen.

Diese Unterschiede sind wichtig, wenn Studien oder Werbeaussagen bewertet werden.

Unterstützt Löwenzahn die Verdauung?

Löwenzahnwurzel sowie die Kombination aus Wurzel und Kraut haben eine lange Tradition als Bittermittel bei Appetitlosigkeit und leichten Verdauungsbeschwerden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt definierte Zubereitungen aus Löwenzahnwurzel als traditionelle pflanzliche Arzneimittel.

  • zur Linderung leichter Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und langsamer Verdauung.

  • bei vorübergehender Appetitlosigkeit sowie

  • sowie zur Erhöhung der Urinmenge als unterstützende Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden.

Die EMA betont ausdrücklich, dass diese Einordnung auf langjähriger Anwendung und Plausibilität beruht.

Die vorhandenen Daten erfüllen jedoch nicht die Anforderungen an eine allgemein anerkannte, klinisch belegte Wirksamkeit [11, 12].

Das ist ein wichtiger Unterschied: Traditionelle Anwendung bedeutet, dass eine definierte pflanzliche Zubereitung über lange Zeit für einen bestimmten Zweck verwendet wurde, ihre Anwendung plausibel erscheint, aber nicht wissenschaftlich untermauert ist.

Wirkt Löwenzahn harntreibend?

Traditionell werden Löwenzahnblätter zur Förderung der Urinausscheidung verwendet.

In einer kleinen Pilotstudie wurde die Wirkung eines hydroalkoholischen Extrakts aus frischen Löwenzahnblättern bei Erwachsenen über einen Tag untersucht. Nach der Einnahme wurde eine erhöhte Häufigkeit des Wasserlassens sowie Veränderungen der ausgeschiedenen Urinmenge beobachtet [14].

Die Studie liefert einen ersten Hinweis, aber noch keinen belastbaren Nachweis einer klinisch relevanten Langzeitwirkung.

Video: Löwenzahn Unkraut mit Wirkung

Traditionell wird Löwenzahn bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die komplette Pflanze ist essbar. Was kann die Pflanze noch? Bloggerin Isabel Fischer, Apothekerin Birgit Steinke und Arzt Andreas Michalsen geben Tipps.

Wirkt Löwenzahn entzündungshemmend?

In Zell- und Tiermodellen beeinflussen Löwenzahnextrakte und einzelne Pflanzenstoffe verschiedene Entzündungswege.

Untersucht wurden unter anderem:

  • NF-κB-Signalwege,
  • entzündungsbezogene Botenstoffe und
  • oxidative Prozesse und
  • Immunzellaktivität.


In experimentellen Modellen zeigten Chicorée-Säure, Luteolin, Taraxasterol und Polysaccharide unterschiedliche biologische Aktivitäten [2, 6, 16].

Diese Erkenntnisse lassen sich jedoch nicht verallgemeinern und bedeuten nicht, dass Löwenzahn beim Menschen garantiert „entzündungshemmend“ wirkt.

Eine Entzündung nach einer Verletzung, eine Autoimmunerkrankung, eine bakterielle Infektion und leicht erhöhte Entzündungsmarker bei Übergewicht sind völlig unterschiedliche Situationen.

Was sich jedoch zeigen lässt, ist, dass Löwenzahn seinen Platz in einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung verdient hat.

Löwenzahntee, Pulver, Wurzelkaffee oder Extrakt?

Verschiedene Variationen von Löwenzahn: Frische Blätter, Pulver, Wurzel, Tee und Extrakt-Tropfen im Vergleich.

Beim Aufgießen gelangen vor allem wasserlösliche Stoffe in die Tasse. Ein großer Teil der unlöslichen Ballaststoffe und Zellstrukturen bleibt hingegen im Pflanzenmaterial zurück.

Wurzeln werden in der Regel mit heißem Wasser aufgegossen oder als Abkochung zubereitet. Durch die längere Hitzeeinwirkung werden andere Bestandteile gelöst als bei einem kurzen Blattaufguss.

Grundsätzlich enthält getrocknetes Blattpulver die gesamte vermahlene Blattstruktur und somit auch Ballaststoffe, Pigmente sowie schlecht wasserlösliche Bestandteile.

Wurzelpulver hat ein anderes Profil und kann mehr Inulin und weitere Wurzelbestandteile liefern.

Beim Rösten entstehen neue Aroma- und Bräunungsverbindungen. Gleichzeitig können empfindliche Stoffe sowie Fructane verändert oder abgebaut werden.

Das fertige Getränk ist koffeinfrei, sofern keine koffeinhaltigen Zutaten, wie beispielsweise Kaffee, zugesetzt wurden.

Ein Extrakt konzentriert bestimmte lösliche Stoffgruppen. Wasserextrakt, alkoholischer Extrakt und standardisiertes Trockenextrakt sind nicht chemisch identisch.

Deshalb sollte man darauf achten, welches Extrakt die Grundlage einer Studie ist.

Wie lässt sich Löwenzahn weniger bitter zubereiten?

Die jungen Blätter besitzen in der Regel die angenehmste Balance aus Frische und Bitterkeit.

Die Bitterkeit lässt sich kulinarisch abmildern durch:

  • kurzes Blanchieren,
  • Einlegen in kaltes Wasser,
  • Kombination mit milden Blattsalaten,
  • säuerliche Dressings,
  • Früchte wie Apfel oder Birne,
  • Kartoffeln,
  • Ei,
  • Nüsse und Samen,
  • Käse oder Joghurt,
  • etwas Süße,
  • und eine geeignete Fettquelle.

Allerdings reduziert sehr langes Wässern nicht nur Bitterstoffe, sondern kann auch wasserlösliche Bestandteile auslaugen.

Eine gewisse Bitterkeit sollte ruhig erhalten bleiben. Schließlich ist Löwenzahn kein Kopfsalat mit gezacktem Lebenslauf.

Wie viel Löwenzahn kann man essen?

Es gibt keine allgemein festgelegte tägliche Idealmenge für Löwenzahn als Lebensmittel.

Die jungen Blätter lassen sich in üblichen Gemüse- oder Salatportionen verwenden. Aufgrund ihres intensiven Geschmacks werden sie häufig mit anderen Blättern kombiniert.

Bei getrocknetem Pulver ist die Pflanzenmenge konzentrierter. Bereits wenige Gramm entsprechen einer deutlich größeren Menge frischer Blätter.

Wurzelpulver und inulinreiche Produkte können bei empfindlichen Menschen Verdauungsreaktionen auslösen. Es ist daher sinnvoll, mit kleinen Mengen zu beginnen.

Dosierungen aus Arzneimittelmonografien sind keine allgemeinen Lebensmittelverzehrempfehlungen.

Löwenzahn selbst sammeln: Sicherheit vor Wildkräuterromantik

Löwenzahn ist den meisten Menschen vertraut. Dennoch sollte eine Wildpflanze nur gegessen werden, wenn man sich ihrer Bestimmung sicher ist.

Es gibt mehrere gelb blühende Korbblütler mit löwenzahnähnlichen Blättern. Nicht jede Verwechslung ist gefährlich, aber die bloße Vermutung „Das wird schon Löwenzahn sein“ ist kein verlässliches Bestimmungsmerkmal.

Wildpflanzen können mit Erde, Tierkot, Mikroorganismen, Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen belastet sein.

Sie sollten gründlich gewaschen und möglichst frisch verarbeitet werden.

Blätter aus dem eigenen Garten sollten ebenfalls nur gesammelt werden, wenn dort keine ungeeigneten Pflanzenschutzmittel oder andere problematische Stoffe verwendet wurden.

„Wild gewachsen” bedeutet „naturnah”, aber nicht automatisch „laborgeprüft”.

Milchsaft: giftig oder harmlos?

Wenn man Blätter, Blütenstiele oder Wurzeln abbricht, tritt ein weißer Milchsaft aus. Dieser enthält verschiedene Pflanzenstoffe, Proteine und Latexbestandteile.

In normalen Lebensmittelmengen gilt Löwenzahn als ungiftig.

Der Milchsaft kann jedoch bei empfindlichen Menschen Haut oder Schleimhäute reizen. Kontaktallergien sind möglich.

Der Saft sollte nicht in großen Mengen verzehrt oder in die Augen oder offene Wunden gebracht werden.

Die hohlen Blütenstiele sind zwar nicht hochgiftig, aber kulinarisch weniger üblich, da sie durch ihren Milchsaft häufig deutlich bitter sind. Für Salate eignen sich junge Blätter daher wesentlich besser als ein improvisierter Strauß Blütenhalme

Allergie gegen Korbblütler

Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Menschen, die bekanntlich gegen Korbblütler allergisch sind, können möglicherweise auch auf Löwenzahn reagieren.

Zu derselben Familie gehören unter anderem:

  • Kamille,
  • Arnika,
  • Beifuß,
  • Chrysanthemen,
  • Sonnenblumen,
  • und Schafgarbe.

Fazit: Eine Power-Blume mit ordentlich Puste

Löwenzahn ist weitaus mehr als nur eine Pusteblume oder ein hartnäckiger Rasenbewohner.

Seine Blätter enthalten Pflanzenfasern, Mineralstoffe, Carotinoide und verschiedene Polyphenole. Die gelben Blüten enthalten Pigmente und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. In der Wurzel speichert die Pflanze unter anderem Inulin, während Sesquiterpenlactone den charakteristischen bitteren Geschmack mitprägen.

Die einzelnen Pflanzenteile sind jedoch nicht austauschbar. Löwenzahnblatt, -wurzel, -blüte, -tee, -pulver und -extrakt besitzen jeweils andere Zusammensetzungen.

Traditionelle pflanzliche Arzneimittel aus Löwenzahnwurzel werden bei milden Verdauungsbeschwerden, vorübergehender Appetitlosigkeit und zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege eingesetzt.

Diese Anwendungen beruhen vor allem auf langjähriger Tradition. Vielversprechende Zell- und Tierstudien sind keine Behandlungsempfehlungen für Menschen.

Die „Power“ des Löwenzahns liegt deshalb nicht in übertriebenen Heilversprechen.

Sie liegt in seiner Vielseitigkeit: Wildgemüse, Bitterkraut, Inulinquelle, Blütenzutat und Insektenpflanze – all das ist in diesem erstaunlich widerstandsfähigen Gewächs vereint.

Und am Ende wird aus der gelben Blüte eine Pusteblume, die ihre kleinen Fallschirme in alle Richtungen schickt. Botanisch ziemlich raffiniert. Für den Rasenbesitzer ist das möglicherweise eine Frage der Perspektive.

FAQ - Häufige Fragen zu Löwenzahn

Ist Löwenzahn gesund?

Löwenzahn kann eine abwechslungsreiche Ernährung mit Ballaststoffen, Mineralstoffen, Carotinoiden und verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen ergänzen. Der tatsächliche Gehalt dieser Stoffe hängt jedoch von Pflanzenteil, Standort, Erntezeit und Verarbeitung ab. Eine einzelne Pflanze macht die gesamte Ernährung jedoch nicht automatisch gesund.

Kann man Löwenzahn roh essen?

Ja, junge, gründlich gewaschene Blätter können roh gegessen werden. Sie eignen sich beispielsweise für Salate oder Pesto. Ältere Blätter schmecken meist deutlich bitterer und werden deshalb meist blanchiert oder gekocht.

Welche Teile des Löwenzahns sind essbar?

Verwendet werden können die jungen Blätter, die Knospen, die gelben Blütenteile und die Wurzel. Die verschiedenen Pflanzenteile besitzen unterschiedliche Geschmäcker und Inhaltsstoffprofile. Die weißen Flugfrüchte der Pusteblume sind dagegen kulinarisch kaum von Bedeutung.

Ist Löwenzahn gut für die Leber?

Für eine Behandlung oder „Entgiftung“ der Leber mit Löwenzahn gibt es keine belastbaren klinischen Nachweise. Zwar liefern Tier- und Zellstudien interessante Hinweise, diese lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen [17].

Hat Löwenzahn eine entwässernde Wirkung?

Eine kleine Pilotstudie mit einem konzentrierten Blattextrakt ergab Hinweise auf eine kurzfristig erhöhte Urinausscheidung. Die Studie war jedoch klein und unkontrolliert. Eine zuverlässige entwässernde Wirkung bei gewöhnlichen Lebensmittelmengen ist damit nicht bewiesen.

Ist Löwenzahn gut für die Verdauung?

Die Löwenzahnwurzel wird traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden und vorübergehender Appetitlosigkeit eingesetzt. Die europäische Arzneimittelmonografie stuft diese Anwendung als traditionell ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Löwenzahnprodukt eine klinisch gesicherte Wirkung hat.

Enthält Löwenzahn Inulin?

Vor allem die Wurzel kann größere Mengen Inulin und anderer Fructane enthalten. Der Gehalt schwankt jedoch je nach Jahreszeit, Standort und Verarbeitung. Die Blätter enthalten weniger Inulin als die Wurzel.

Ist Löwenzahnkaffee koffeinfrei?

Ein Getränk aus ausschließlich gerösteter Löwenzahnwurzel enthält von Natur aus kein Koffein. Mischprodukte können jedoch Kaffee, Guarana, Mate oder andere koffeinhaltige Zutaten enthalten. Die Zutatenliste schafft hier Klarheit.

Kann Löwenzahn Nebenwirkungen verursachen?

Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen und Hautreizungen durch den Milchsaft. Inulinreiche Wurzelprodukte können Blähungen auslösen. Bei Gallen- oder Lebererkrankungen sowie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollten konzentrierte Präparate medizinisch abgeklärt werden.

Wann sollte man Löwenzahn sammeln?

Die jungen Blätter werden bevorzugt im Frühjahr oder vor der vollen Blüte gesammelt, da sie in der Regel zarter und milder sind. Die Blüten werden an trockenen Tagen frisch geerntet. Wurzeln werden traditionell im Frühjahr oder Herbst ausgegraben. Entscheidend sind eine sichere Bestimmung und ein unbelasteter Standort.

Quellen

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[2] Fan, M. et al. (2023): Dandelion (Taraxacum Genus): A Review of Chemical Constituents and Pharmacological Effects. Molecules, 28, 5022. doi: 10.3390/molecules28135022.

[3] de Almeida, L. C. et al. (2022): Proximate Composition and Characterization of the Vitamins and Minerals of Dandelion (Taraxacum officinale) from the Middle Doce River Region – Minas Gerais, Brazil. Heliyon, 8, e11949. doi: 10.1016/j.heliyon.2022.e11949.

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