Hanfprotein unter der Lupe: Wie gesund ist die pflanzliche Proteinquelle wirklich? Alles zu Aminosäuren, Muskelaufbau, Zubereitung & Rezeptideen!
Hanfprotein klingt zunächst nach Fitnessstudio, grünen Smoothies und Menschen, die ihre Vorratsgläser handschriftlich beschriften.
Dabei ist die proteinreiche Zutat nicht nur für Kraftsportler interessant und muss auch nicht zwingend in einem Shaker landen.
Gewonnen wird Hanfprotein aus den Samen des Nutzhanfs.
Diese liefern nicht nur pflanzliches Protein, sondern je nach Verarbeitung auch Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und weitere natürliche Pflanzenbestandteile.
Das macht Hanfprotein zu einer vielseitigen Zutat für eine pflanzenbetonte Ernährung. Ein Wundermittel ist es allerdings nicht.
Und das ist eine gute Nachricht: Solide Lebensmittel brauchen keine Wunder, um sinnvoll zu sein.
die 7 wichtigsten Fakten für Schnell-Leser
Hanfprotein wird aus den Samen der Pflanze Cannabis sativa L. gewonnen.
Dabei sind Sorten des Nutzhanfs gemeint, die für die Gewinnung von Lebensmitteln, Fasern oder anderen landwirtschaftlichen Rohstoffen angebaut werden.
Hanfsamen bestehen typischerweise zu 20 bis 30 Prozent aus Protein. Hinzu kommen Fett, Ballaststoffe, Mineralstoffe und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Die genaue Zusammensetzung schwankt je nach Sorte, Anbaubedingungen, Schälgrad und Verarbeitung [1, 8, 9].
Zur Herstellung vieler Hanfproteinpulver werden die Samen zunächst mechanisch gepresst. Dabei wird ein großer Teil des Hanfsamenöls abgetrennt. Zurück bleibt ein sogenannter Presskuchen, in dem sich das Protein sowie Teile der ursprünglichen Ballaststoffe und Pflanzenbestandteile konzentrieren. Dieser Presskuchen kann anschließend vermahlen und gesiebt werden.
Je nachdem, wie weit die Verarbeitung geht, entstehen unterschiedliche Produkte:
enthält in der Regel einen vergleichsweise hohen Anteil der ursprünglichen Pflanzenmatrix, jedoch weniger Protein.
wird stärker auf den Proteinanteil konzentriert. Ein Teil der Ballaststoffe und Fette bleibt häufig erhalten.
besteht zu einem besonders hohen Anteil aus Protein. Um dies zu erreichen, sind zusätzliche Verarbeitungsschritte notwendig, bei denen andere Bestandteile weitgehend abgetrennt werden.
„Hanfprotein” ist deshalb keine exakt definierte Einheitszutat. Zwei Pulver können ähnlich aussehen, sich aber in Proteingehalt, Geschmack, Ballaststoffanteil und Verdaulichkeit deutlich unterscheiden.
Ein Blick auf die Nährwerttabelle ist daher meist aufschlussreicher als die Angaben auf der Vorderseite der Verpackung.
Proteine bestehen aus Aminosäuren.
Der menschliche Körper benötigt sie unter anderem als Baustoff für Muskeln, Enzyme, Transportproteine, Rezeptoren, bestimmte Hormone und Bestandteile des Immunsystems. Für Erwachsene gelten neun Aminosäuren als unentbehrlich, da der Körper sie nicht in ausreichender Menge selbst herstellen kann [13].
Dabei geht es nicht nur um Bodybuilding. Protein wird rund um die Uhr benötigt – auch dann, wenn die schwerste Hantel des Tages eine Einkaufstasche ist.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene zwischen 19 und unter 65 Jahren einen Referenzwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.
Für gesunde Erwachsene ab 65 Jahren gilt ein Schätzwert von 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Wer mehr als fünf Stunden pro Woche ambitioniert trainiert, kann je nach Trainingsziel, Intensität und Umfang einen höheren Bedarf von etwa 1,2 bis 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht haben [13].
Protein trägt gemäß dem EU-Register zugelassener gesundheitsbezogener Angaben zur Erhaltung und Zunahme von Muskelmasse sowie zur Erhaltung normaler Knochen bei.
Solche Aussagen dürfen bei einem konkreten Lebensmittel allerdings nur verwendet werden, wenn es die vorgeschriebenen Bedingungen für eine Proteinquelle erfüllt [14].
Grundsätzlich ja: In Hanfsamen wurden alle neun essenziellen Aminosäuren nachgewiesen [2, 3, 10].
Das sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob jede Aminosäure in einer für jeden Zweck optimalen Menge vorhanden ist.
Der häufig verwendete Ausdruck „vollständiges Protein“ ist deshalb etwas ungenau. Er unterscheidet lediglich zwischen „vorhanden“ und „nicht vorhanden“.
Unser Stoffwechsel arbeitet jedoch nicht mit einer Anwesenheitsliste, sondern mit Mengenverhältnissen.
Bei Hanfprotein gilt vor allem Lysin als begrenzende Aminosäure. Das bedeutet, dass Lysin im Verhältnis zum menschlichen Bedarf häufig diejenige unentbehrliche Aminosäure ist, die zuerst knapp wird. Auch der Gehalt an Leucin, das eine besondere Rolle bei der Stimulation der Muskelproteinsynthese spielt, liegt bei Hanfprotein häufig niedriger als bei Molken-, Milch- oder einigen Sojaproteinen [1–3].
Das macht Hanfprotein jedoch nicht minderwertig. Es zeigt lediglich, warum die Kombination verschiedener Proteinquellen sinnvoll ist.
Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen und Soja liefern beispielsweise mehr Lysin. Getreide und Saaten können wiederum andere Aminosäuren ergänzen.
Diese Kombination muss nicht zwingend in derselben Mahlzeit erfolgen.
Bei einer abwechslungsreichen Ernährung zählt vor allem die Versorgung über den gesamten Tag hinweg. Hanfprotein darf sich also entspannt ins Team einfügen. Es muss nicht das Finale allein spielen.
Der Großteil des Proteins in Hanfsamen besteht aus Speicherproteinen. Am häufigsten kommt das Globulin Edestin vor.
Daneben enthält Hanfprotein Albumine und kleinere Mengen weiterer Proteinfraktionen [2, 4]. Je nach Untersuchungsmethode und Ausgangsmaterial macht Edestin einen großen Anteil des Gesamtproteins aus.
In populären Beschreibungen wird es gelegentlich als besonders „körpernah“, „blutähnlich“ oder außergewöhnlich leicht verwertbar dargestellt. Diese Aussagen sind jedoch nicht durch Studien gedeckt, sondern entsprechen den Empfindungen des Volksmunds.
Edestin ist zunächst einmal ein pflanzliches Speicherprotein. Es liefert Aminosäuren, die während der Verdauung durch Enzyme in kleinere Peptide und einzelne Aminosäuren zerlegt werden. Diese kann der Körper anschließend aufnehmen und für eigene Stoffwechselprozesse nutzen.
Trotzdem ist die Zusammensetzung interessant: Hanfprotein enthält relativ viel Arginin sowie die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein.
Die Verdaulichkeit von Hanfprotein hängt stark davon ab, welcher Teil des Samens verarbeitet wurde und wie das Protein gewonnen wurde.
In einer häufig zitierten Studie lagen die ermittelten Werte für die Proteinverdaulichkeit je nach Hanfprodukt zwischen 84 und 98 Prozent. Die Entfernung der ballaststoffreichen Samenschale konnte die Verdaulichkeit verbessern [1].
Diese Zahlen zeigen zweierlei:
Erstens ist Hanfprotein grundsätzlich gut verdaulich. Zweitens ist es hinsichtlich Aminosäureprofil und Proteinqualität nicht automatisch mit Ei-, Milch-, Soja- oder Kartoffelprotein gleichzusetzen.
Ballaststoffe, Gerbstoffe, Phytinsäure und Proteasehemmer können die Verfügbarkeit von Protein und Mineralstoffen beeinflussen. Solche sogenannten antinutritiven Stoffe kommen nicht nur in Hanfsamen, sondern auch in Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und zahlreichen anderen pflanzlichen Lebensmitteln vor [8–10].
Das Wort „antinutritiv” klingt dramatischer, als es im Ernährungsalltag meist ist.
Entscheidend sind Menge, Verarbeitung und die gesamte Ernährung. Schälen, Mahlen, Erhitzen, Fermentieren und andere Verarbeitungsschritte können den Gehalt oder die Wirkung einzelner Stoffe verändern. Gleichzeitig können bei einer stärkeren Verarbeitung aber auch Bestandteile der ursprünglichen Pflanzenmatrix entfernt werden. Wie so oft gilt: Verarbeitung ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Sie verändert ein Lebensmittel.
Der wichtigste Nutzen ist erstaunlich unspektakulär: Hanfprotein enthält Protein.
Das kann hilfreich sein, wenn die tägliche Ernährung ansonsten proteinarm ausfällt oder bestimmte Proteinquellen gemieden werden müssen. Hanfprotein ist pflanzlich und enthält von Natur aus keine Milchbestandteile.
Es kann deshalb für Menschen, die vegan essen oder Milchprotein nicht verwenden möchten, eine Option sein.
Je nach Produkt bleiben außerdem Ballaststoffe und kleine Mengen Fett erhalten.
Als Bestandteil einer Mahlzeit kann Hanfprotein beispielsweise dazu beitragen, ein kohlenhydratbetontes Frühstück proteinreicher zu gestalten. Aus Haferflocken, Obst und Pflanzendrink wird mit einer zusätzlichen Proteinquelle eine ausgewogenere Kombination – vorausgesetzt, das Pulver überzeugt auch geschmacklich. Hanfprotein schmeckt meist erdig, nussig und leicht grasig. Es ist damit eher Charakterdarsteller als geschmacksneutrale Statistin.
Ein Pulver kann jedoch keine Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Saaten ersetzen.
Eine gesunde Ernährung entsteht durch das Zusammenspiel vieler Lebensmittel. Hanfprotein kann dabei eine praktische Zutat sein, aber nicht das gesamte Team.
Untersuchungen von Hanfsamen, Hanfmehlen, Presskuchen und kommerziellen Hanfproteinkonzentraten haben ergeben, dass diese Produkte verschiedene Mineralstoffe enthalten können.
Am häufigsten werden Phosphor, Kalium und Magnesium genannt. Je nach Sorte, Anbaubedingungen und Verarbeitung finden sich außerdem Eisen, Zink, Mangan, Kupfer und Calcium [16–18].
Das klingt zunächst nach einer gut gefüllten Mineralstoffschublade. Ganz so einfach ist die Einordnung allerdings nicht.
Die gemessenen Gehalte unterscheiden sich teilweise erheblich zwischen den verschiedenen Produkten. Selbst zwei äußerlich sehr ähnliche Produkte können aufgrund unterschiedlicher Rohstoffe, Schälgrade und Herstellungsverfahren eine andere Mineralstoffzusammensetzung aufweisen.
Auch die bloße Anwesenheit eines Mineralstoffs sagt noch nichts darüber aus, wie viel davon der Körper tatsächlich aufnehmen kann. Hanfsamen enthalten Phytinsäure beziehungsweise Phytate.
Diese können Mineralstoffe binden und insbesondere die Verfügbarkeit von Eisen, Zink und Phosphor beeinflussen. Das macht die Mineralstoffe nicht wertlos, zeigt aber, warum Nährwerttabellen nicht immer die ganze Geschichte erzählen.
Die Sache mit der Phytinsäure mag im ersten Moment ernüchternd klingen, lässt sich im Ernährungsalltag aber erstaunlich leicht lösen.
Unser Körper ist den Bindungskräften der Pflanze nämlich nicht hilflos ausgeliefert. Mit zwei simplen Kniffen kannst du die Verfügbarkeit von Eisen und Zink massiv verbessern, und das ganz ohne großen Aufwand.
Am Ende gilt auch hier: Keine Panik vor der Biochemie! Wer sich abwechslungsreich ernährt und seine Lebensmittel clever kombiniert, muss sich keine Sorgen um die Nährstoffaufnahme machen.
Hanfsamen enthalten Tocopherole, die zur Vitamin-E-Familie gehören.
Am häufigsten wird γ-Tocopherol beschrieben. Da Tocopherole fettlöslich sind und zum großen Teil in der Ölfraktion vorkommen, hängt ihr verbleibender Gehalt im Hanfprotein davon ab, wie stark die Samen entölt wurden.
Deshalb liegen für ganze Hanfsamen und Hanfsamenöl deutlich mehr Daten vor als für Hanfproteinpulver. Aussagen wie „Hanfprotein ist reich an Vitamin E“ wären ohne eine konkrete Analyse des jeweiligen Produkts zu pauschal.
Bei den Vitaminen gilt somit besonders: Nicht vom ganzen Samen auf jedes daraus hergestellte Pulver schließen! Ein Teil der ursprünglichen Inhaltsstoffe bleibt erhalten, ein anderer wandert bei der Verarbeitung gewissermaßen in eine andere Abteilung.
Neben den klassischen Nährstoffen enthalten Hanfsamen verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben unter anderem phenolische Säuren, Flavonoide sowie besondere phenolische Amide und Lignanamid-Verbindungen nachgewiesen. Zu letzteren gehören die sogenannten Cannabisine [16, 17, 19].
Solche Verbindungen werden häufig wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften untersucht, die im Labor messbar sind.
Dabei können sie bestimmte reaktive Moleküle abfangen oder chemische Oxidationsprozesse beeinflussen. Das ist wissenschaftlich interessant, aber noch kein Beweis.
Laborwerte sind eben Laborwerte. Der menschliche Körper ist komplizierter als ein Reagenzglas: Er besitzt Verdauungsenzyme, Darmbakterien, Stoffwechselwege – und gelegentlich einen ganz eigenen Kopf.
Trotzdem sind diese Begleitstoffe ernährungswissenschaftlich relevant. Sie zeigen, dass pflanzliche Lebensmittel nicht nur aus einzelnen, voneinander klar getrennten Nährstoffen bestehen.
Proteine, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe kommen ursprünglich gemeinsam in einer komplexen Lebensmittelmatrix vor.
Als „Lebensmittelmatrix“ wird die natürliche Struktur bezeichnet, in der Nährstoffe und weitere Pflanzenbestandteile eines Lebensmittels eingebettet sind. Diese Struktur kann beeinflussen, wie ein Lebensmittel verdaut wird, welche Stoffe freigesetzt werden und wie diese miteinander interagieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein naturbelassenes Lebensmittel grundsätzlich jedem Konzentrat oder Isolat überlegen ist. Ein Isolat kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn viel Protein bei möglichst wenig Fett oder Ballaststoffen benötigt wird. Ein weniger stark getrenntes Hanfprodukt bietet hingegen ein breiteres Spektrum der ursprünglichen Samenbestandteile.
Was besser passt, hängt also vom Zweck ab.
Wer ausschließlich möglichst viel Protein sucht, wird anders entscheiden als jemand, der eine pflanzliche Zutat in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung bevorzugt.
Hanfprotein ist also nicht nur wegen eines einzelnen spektakulären Inhaltsstoffs interessant.
Seine ernährungsphysiologischen Eigenschaften entstehen vielmehr aus dem Zusammenspiel verschiedener Bestandteile – ein Team, in dem das Protein die Kapitänsbinde trägt, aber nicht unbedingt allein auf dem Platz steht.
Protein trägt grundsätzlich zum Aufbau und zur Erhaltung von Muskelmasse bei [14].
Das gilt auch für Hanfprotein, sofern es in ausreichender Menge verzehrt wird, in die gesamte Proteinversorgung einbezogen wird und ein entsprechendes Training erfolgt.
Hanfprotein enthält alle essenziellen Aminosäuren, aber häufig weniger Lysin und Leucin als manche tierische oder pflanzliche Proteinquellen [1–3].
Wer sich überwiegend oder ausschließlich pflanzlich ernährt und ambitioniert trainiert, kann Hanfprotein deshalb mit lysinreicheren Lebensmitteln wie Soja, Erbsen, Bohnen, Reis oder Linsen kombinieren.
Ein Extra-Tipp bei regelmäßigem Training: Wer gerne pflanzlich unterwegs ist und nicht auf Leistung verzichten möchte, kann aus einer Kombination das Beste herausholen. Dafür nimmt man:
Für Freizeitsportler mit einigen Trainingseinheiten pro Woche ist ein zusätzliches Proteinpulver in der Regel nicht notwendig.
Es kann dennoch praktisch sein, beispielsweise wenn nach dem Training keine vollständige Mahlzeit möglich ist.
Praktisch und notwendig sind schließlich zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Proteinreiche Mahlzeiten können sich auf das Sättigungsgefühl auswirken.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Einnahme eines bestimmten Proteinpulvers automatisch zu einer langfristigen Gewichtsabnahme führt.
In zwei kleinen, randomisierten Crossover-Studien erhielten die Teilnehmenden 20 oder 40 Gramm Hanfproteinkonzentrat, entsprechende Mengen Sojaprotein oder eine kohlenhydratreiche Kontrollmahlzeit. Sowohl Hanf- als auch Sojaprotein führten im Vergleich zur Kohlenhydratkontrolle zu einer niedrigeren Blutzuckerreaktion nach der Aufnahme [5].
Dieses Ergebnis ist plausibel, da bei einem Teilersatz von Kohlenhydraten durch Protein die Zusammensetzung der Mahlzeit verändert wird – und damit häufig auch die Blutzucker- und Insulinreaktion.
Für das Körpergewicht bleibt jedoch die Energiebilanz entscheidend. Ein zusätzlicher Proteinshake, der einfach auf die bisherige Ernährung draufgesattelt wird, besitzt schließlich ebenfalls Kalorien. Das Etikett „Protein“ macht Energie nicht unsichtbar.
Hanfprotein lässt sich unkompliziert in bekannte Mahlzeiten integrieren. Es eignet sich beispielsweise für:
Aufgrund seines Eigengeschmacks harmoniert Hanfprotein besonders gut mit Kakao, Banane, Beeren, Nüssen, Zimt, Hafer, Datteln oder kräftigen Gewürzen.
Beim Backen sollte Hanfprotein jedoch nur einen Teil des Mehls ersetzen. Es enthält kein Gluten und kann deshalb kein elastisches Klebergerüst bilden. Zu große Mengen machen Teige schnell kompakt oder trocken – kulinarisch ungefähr so charmant wie ein Türstopper.
Es gibt keine allgemein gültige Tagesdosis für Hanfprotein. Maßgeblich sind der individuelle Proteinbedarf, die übrige Ernährung und der tatsächliche Proteingehalt des jeweiligen Produkts.
Anstatt also ausschließlich auf die Grammzahl des Pulvers zu schauen, ist die wichtigere Frage: Wie viel Protein liefert die Portion?
Ein Hanfproteinpulver mit 50 Prozent Protein liefert beispielsweise in 30 Gramm Pulver etwa 15 Gramm Protein. Ein stärker konzentriertes Produkt mit 70 Prozent Protein käme bei derselben Pulvermenge auf etwa 21 Gramm. Zwei ähnlich große Löffel können also deutlich Unterschiedliches leisten.
Menschen mit einer bekannten Nierenerkrankung sollten eine erhöhte Proteinzufuhr mit einem Arzt abstimmen. Das Gleiche gilt für andere Erkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit oder die Ernährung von Kindern.
Hier sollte nicht aufgrund allgemeiner Internetempfehlungen hoch dosiert supplementiert werden [13].
Hanfsamen besitzen keine cannabinoidbildenden Drüsenhaare und enthalten daher von Natur aus kein THC.
Bei der Ernte und Verarbeitung können die Samen jedoch mit anderen Pflanzenteilen in Kontakt kommen, wodurch Spuren von Cannabinoiden auf das Lebensmittel gelangen können [15].
Verkehrsfähige Lebensmittel müssen die geltenden gesetzlichen Höchstgehalte einhalten.
Ein ordnungsgemäß hergestelltes Hanfprotein ist kein Rauschmittel und erzeugt bei üblichem Verzehr keine berauschende Wirkung.
Hanfsamenprotein und cannabinoidhaltige Extrakte aus Blüten oder Blättern sollten daher nicht über einen Kamm geschoren werden – weder bildlich noch tatsächlich.
Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wird nach vielen Jahrzehnten der Ächtung aufgrund ihrer psychoaktiven Fähigkeiten langsam wieder in unserer Gesellschaft etabliert. Inzwischen gibt es tolle Sorten, die nicht das berauschende Cannabinoid THC enthalten. Neben ihrer Eignung zur Papierherstellung und zur Herstellung von Jute sowie ihrem mittlerweile vielseitigen Einsatz für medizinische Zwecke stechen besonders die Hanfsamen aus ernährungsphysiologischer Sicht heraus. Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm klärt auf.
Hanfprotein ist eine interessante pflanzliche Proteinquelle mit einem charakteristischen Geschmack und einem guten Aminosäureprofil.
Es enthält alle neun essenziellen Aminosäuren, wobei Lysin häufig nur in geringen Mengen vorhanden ist. Durch die Kombination mit Hülsenfrüchten und anderen Proteinquellen lässt sich das Aminosäureprofil einer pflanzenbasierten Ernährung sinnvoll ergänzen.
Der größte Vorteil von Hanfprotein liegt nicht in spektakulären Heilwirkungen, sondern in seiner Alltagstauglichkeit: Es ist pflanzlich, vielseitig einsetzbar und kann – abhängig von der Herstellung – Teile der natürlichen Pflanzenmatrix mitbringen.
Wer davon Wunder erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Wer jedoch eine solide, pflanzliche Zutat für Porridge, Smoothies oder herzhafte Gerichte sucht, könnte einen ziemlich nützlichen Küchenbewohner finden.
Ist Hanfprotein gesund?
Ja, Hanfprotein kann Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Es liefert pflanzliches Protein sowie je nach Verarbeitung Ballaststoffe, Fett und weitere Bestandteile des Hanfsamens. Ob eine Ernährung jedoch insgesamt gesund ist, entscheidet sich nicht an einer einzelnen Zutat.
Ist Hanfprotein ein vollständiges Protein?
Hanfprotein enthält zwar alle neun essenziellen Aminosäuren. Einige davon, insbesondere Lysin, sind jedoch nur in begrenztem Umfang vorhanden. Der Begriff „vollständig” ist deshalb zwar formal nachvollziehbar, aus ernährungsphysiologischer Sicht jedoch etwas vereinfachend.
Wie viel Hanfprotein darf man täglich zu sich nehmen?
Es gibt keine offiziell festgelegte Höchst- oder Mindestmenge für Hanfprotein. Die Portionsgröße sollte sich am gesamten Proteinbedarf, dem Proteingehalt des Pulvers und der übrigen Ernährung orientieren. Häufig werden 20 bis 40 Gramm Pulver verwendet, was jedoch keine allgemeine Zufuhrempfehlung ist.
Ist Hanfprotein gut für den Muskelaufbau?
Hanfprotein kann zur Proteinversorgung beitragen und somit den Aufbau und Erhalt von Muskelmasse unterstützen. Für den Muskelaufbau sind jedoch zusätzlich Krafttraining, eine ausreichende Energiezufuhr, genügend Gesamtprotein und eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Aminosäuren notwendig.
Ist Hanfprotein besser als Whey-Protein?
Das hängt vom Einsatzzweck ab. Whey enthält in der Regel mehr Leucin und ist sehr gut verdaulich. Hanfprotein ist dagegen pflanzlich, milchfrei und kann je nach Produkt Ballaststoffe und weitere Pflanzenbestandteile enthalten. „Besser“ ist also keine allgemeine Eigenschaft, sondern eine Frage der persönlichen Anforderungen.
Hilft Hanfprotein beim Abnehmen?
Hanfprotein kann eine Mahlzeit proteinreicher machen. Ein eigenständiger, langfristiger Abnehmeffekt ist jedoch nicht nachgewiesen. Entscheidend sind nach wie vor die Energiebilanz, die Portionsgrößen, die Qualität der Lebensmittel und Bewegung.
Ist Hanfprotein vegan?
Reines Hanfprotein wird ausschließlich aus Hanfsamen gewonnen und ist somit vegan. Bei Mischprodukten sollte dennoch die Zutatenliste geprüft werden, da diese beispielsweise Milchbestandteile oder andere tierische Zutaten enthalten können.
Ist Hanfprotein glutenfrei?
Hanf ist von Natur aus glutenfrei. Eine Verunreinigung durch gemeinsam genutzte Ernte-, Transport- oder Verarbeitungsanlagen ist jedoch möglich. Bei Zöliakie sollte deshalb ein ausdrücklich kontrolliertes und entsprechend gekennzeichnetes Produkt gewählt werden.
Kann Hanfprotein Nebenwirkungen verursachen?
Bei empfindlichen Menschen können größere Mengen zu Völlegefühl, Blähungen oder Veränderungen des Stuhlgangs führen, insbesondere, wenn das Produkt viele Ballaststoffe enthält. Allergische Reaktionen sind zwar selten, aber möglich. Bei bekannten Hanf-, Samen- oder Nussallergien ist besondere Vorsicht geboten [7].
Macht Hanfprotein high oder enthält es CBD?
Hanfprotein wird aus Hanfsamen gewonnen und ist nicht mit CBD- oder THC-haltigen Extrakten aus Blüten und Blättern gleichzusetzen. Die Samen bilden selbst keine Cannabinoide. Spuren können jedoch durch Verunreinigungen während der Ernte oder Verarbeitung entstehen, weshalb entsprechende Lebensmittel gesetzlichen Grenzwerten unterliegen [15].