Ist Kakao wirklich gesund? Erfahre die ehrliche Wahrheit über Flavanole, die Wirkung auf Gefäße & Darm und warum dunkler nicht immer besser ist. Jetzt lesen!
Kakao besitzt ein ausgesprochen erfolgreiches Doppelleben. Auf der einen Seite ist er eine bittere, pflanzliche Zutat mit Ballaststoffen, Mineralstoffen, Flavanolen und anregenden Methylxanthinen.
Auf der anderen Seite begegnet er uns bevorzugt zusammen mit Zucker, Milchpulver, Kakaobutter und dem festen Vorsatz, nur ein einziges Stück Schokolade zu essen.
Beides gehört zur Wahrheit.
Gewonnen wird Kakao aus den Samen des tropischen Kakaobaums Theobroma cacao.
In den ursprünglichen Bohnen stecken neben Fett und Protein zahlreiche Pflanzenstoffe.
Durch Fermentation, Trocknung, Röstung, Pressung und gegebenenfalls Alkalisierung verändert sich diese Zusammensetzung jedoch erheblich. Aus derselben Bohne können deshalb Kakaonibs, Kakaomasse, Kakaobutter, schwach oder stark entöltes Kakaopulver und schließlich sehr unterschiedliche Schokoladen entstehen.
Besonders gut untersucht sind die Kakao-Flavanole.
Für eine genau definierte Tagesmenge existiert sogar eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zur Elastizität der Blutgefäße und zum normalen Blutfluss. Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Schokoladenprodukt automatisch dieselbe Wirkung besitzt. Der Flavanolgehalt lässt sich weder am dunklen Farbton noch zuverlässig an der Prozentzahl auf der Verpackung ablesen.
Kakao kann also durchaus Teil einer gesunden Ernährung sein. Schokolade ebenfalls – sofern wir nicht erwarten, dass ein hoher Kakaoanteil Zucker, Fett und Portionsgröße unsichtbar macht.
Lecker und gesund schließen sich nicht aus. Sie benötigen nur gelegentlich eine ehrliche Zutatenliste.
die 7 wichtigsten Fakten für Schnell-Leser
Kakao wird aus den Samen des Kakaobaums Theobroma cacao L. hergestellt. Der immergrüne Baum wächst in feuchtwarmen tropischen Regionen und bildet große Früchte direkt am Stamm und an kräftigen Ästen.
Im Inneren einer Kakaofrucht liegen zahlreiche Samen in einem süß-säuerlichen, weißen Fruchtfleisch.
Diese Samen werden umgangssprachlich Kakaobohnen genannt.
Mit Gartenbohnen oder Hülsenfrüchten haben sie botanisch allerdings wenig gemeinsam.
Der Name Theobroma stammt aus dem Griechischen und lässt sich sinngemäß als „Speise der Götter“ übersetzen.
Angesichts der späteren Entwicklung zur Schokolade war der botanische Namensgeber offenbar entweder ausgesprochen weitsichtig oder bereits ein wenig voreingenommen.
Frisch aus der Frucht schmecken Kakaosamen noch nicht wie fertige Schokolade. Sie sind herb, bitter und reich an Gerbstoffen. Das typische Kakaoaroma entsteht erst durch mehrere Verarbeitungsschritte.
Nach der Ernte werden die Früchte geöffnet und die Samen zusammen mit dem Fruchtfleisch entnommen. Anschließend beginnt ein komplexer Prozess.
Während der mehrtägigen Fermentation bauen Hefen, Milchsäure- und Essigsäurebakterien die Zucker des Fruchtfleischs ab. Dabei entstehen Alkohol, Säuren und Wärme.
Diese Vorgänge töten den Keimling ab, verändern Zellstrukturen und setzen Reaktionen in Gang, aus denen später wichtige Aromavorstufen entstehen. Gleichzeitig verändern sich Farbe, Bitterkeit und Polyphenolgehalt der Samen.
Die Fermentation ist deshalb kein kleiner technischer Zwischenschritt, sondern eine der entscheidenden Phasen auf dem Weg zum späteren Kakaoaroma. Unterschiede in Dauer, Temperatur und Mikroorganismen beeinflussen das fertige Produkt deutlich [1, 2].
Nach der Fermentation werden die Samen getrocknet. Dadurch sinkt ihr Wassergehalt, und sie werden lagerfähig. Auch während der Trocknung laufen weitere chemische und enzymatische Veränderungen ab.
Beim Rösten entstehen über Maillard-Reaktionen und andere Prozesse zahlreiche typische Aromastoffe. Bitterkeit und Säure verändern sich, die Bohnen werden brüchiger und lassen sich leichter weiterverarbeiten.
Gleichzeitig können hitzeempfindliche Pflanzenstoffe abnehmen. Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Epicatechin und andere Flavan-3-ole durch höhere Temperaturen und längere Röstzeiten reduziert oder chemisch verändert werden können [3–5].
Rösten ist damit ein klassischer Zielkonflikt: Es erzeugt den Geschmack, für den wir Kakao schätzen, verändert aber einen Teil jener Stoffe, für die sich die Ernährungsforschung interessiert.
Nach dem Rösten werden die Schalen entfernt und die inneren Samenstücke – die Kakaonibs – zerkleinert. Werden Nibs fein gemahlen, tritt das enthaltene Fett aus. Es entsteht eine flüssige beziehungsweise pastenartige Kakaomasse.
Kakaomasse enthält sowohl:
Durch Pressen lässt sich ein großer Teil der Kakaobutter abtrennen. Zurück bleibt ein fester Kakaopresskuchen, der anschließend zu Kakaopulver vermahlen wird.
Die Begriffe klingen ähnlich, bezeichnen aber ernährungsphysiologisch unterschiedliche Produkte.
Nibs sind gebrochene Stücke der fermentierten, getrockneten und meist gerösteten Kakaosamen. Sie enthalten noch das natürliche Kakaofett, Protein, Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
Ihr Geschmack ist intensiv, bitter und leicht säuerlich. Mit einem Schokoladenstück haben sie ungefähr so viel gemeinsam wie eine Kaffeebohne mit einem gezuckerten Milchkaffee: gleicher Ursprung, ziemlich anderer Auftritt.
Kakaomasse besteht aus fein vermahlenen Nibs. Sie enthält natürlicherweise etwa zur Hälfte Kakaobutter und zur anderen Hälfte fettfreie Kakaobestandteile. Genaue Werte hängen von Sorte und Verarbeitung ab.
Kakaomasse ist eine Grundzutat für Schokolade.
Kakaobutter ist der Fettanteil der Kakaobohne. Sie besteht überwiegend aus Stearin-, Öl- und Palmitinsäure. Polyphenole und Ballaststoffe verbleiben größtenteils in den fettfreien Kakaobestandteilen.
Weiße Schokolade enthält Kakaobutter, aber üblicherweise keine Kakaomasse. Deshalb besitzt sie zwar einen Bestandteil der Kakaobohne, jedoch nicht das klassische Flavanolprofil dunkler Kakaoprodukte.
Kakaopulver entsteht aus dem nach der Fettpressung verbleibenden Presskuchen. Je nachdem, wie viel Kakaobutter entfernt wurde, unterscheidet man schwach und stark entöltes Pulver.
Ein stärker entöltes Pulver liefert pro 100 Gramm meist:
Für den Reichtum an Flavanolen kommt es besonders auf die Verarbeitung und die Rohstoffqualität an.
Schokolade ist eine Rezeptur. Sie enthält je nach Sorte Kakaomasse, Kakaobutter, Zucker, Milchbestandteile, Emulgatoren, Aromen, Nüsse oder weitere Zutaten.
Der Kakaoanteil gibt an, welcher Anteil aus Kakaobestandteilen stammt. Er sagt jedoch nicht exakt:
Anhand der Angabe des Kakaoanteils können wir unsere Geschmacksfavoriten zumindest einordnen: süß mit weniger Kakaoanteil bis herb mit mehr Kakaoanteil.
Kakao besitzt eine komplexe Lebensmittelmatrix. Zu ihren wichtigsten Bestandteilen zählen:
Kakaopulver kann unter anderem Magnesium, Eisen, Kupfer, Mangan, Kalium, Phosphor und Zink enthalten. Die Werte unterscheiden sich zwischen Produkten und werden durch Herkunft, Fermentation, Entölung und weitere Verarbeitung beeinflusst [6].
Bei dieser fantastischen Kombination wissen die Nährwertangaben pro 100 Gramm zu beeindrucken.
Doch es kommt auf die Details an: Welche Form des Kakaos wird in welcher Menge verwendet?
Ein Esslöffel Kakao darf zur Mineralstoffversorgung beitragen.
Er muss dafür aber nicht so tun, als könne er eine ausgewogene Ernährung oder eine diagnostizierte Mangelbehandlung ersetzen.
Entöltes Kakaopulver kann einen hohen Ballaststoffanteil besitzen.
Die Ballaststoffe stammen unter anderem aus den Zellwänden der Kakaosamen.
Ein Teil ist unlöslich, ein kleinerer Teil kann von Darmbakterien fermentiert werden.
Studien untersuchen, ob Kakao und seine Polyphenole die Zusammensetzung oder Aktivität des Darmmikrobioms beeinflussen können.
Hierbei zeigt sich eine wechselseitige Beziehung: Während die Darmbakterien die komplexen Kakaopolyphenole (wie Flavanole) in kleinere, bioaktive Stoffwechselprodukte zerlegen, beeinflussen diese Verbindungen wiederum gezielt das Mikrobiom.
Erste Humanstudien und klinische Untersuchungen liefern konkrete Hinweise auf präbiotische Effekte:
Die Polyphenole förderten das Wachstum gesundheitsförderlicher Bakteriengruppen wie Lactobacillus und Bifidobacterium, während das Aufkommen potenziell schädlicher Keime (wie bestimmter Clostridium-Arten, z. B. Clostridium histolyticum) gehemmt wurde.
Zudem wird untersucht, wie diese mikrobiellen Veränderungen über entzündungshemmende Prozesse positiv auf das Immunsystem oder Herz-Kreislauf-Marker (wie das C-reaktive Protein) wirken können.
Dennoch gilt weiterhin: Die Datenlage ist insgesamt noch zu klein, stark von individuellen Unterschieden der Probanden geprägt und produktabhängig, um pauschal zu behaupten, Kakao „baue die Darmflora auf“ oder behandle Verdauungsbeschwerden [22].
Hinzu kommt: Ein zuckerreicher Schokoriegel und ein ungesüßtes, ballaststoffreiches Kakaopulver sind auch aus Sicht des Darms nicht dasselbe Lebensmittel.
Kakao zählt zu den pflanzlichen Lebensmitteln, die Flavan-3-ole und daraus aufgebaute Procyanidine enthalten.
Zu den wichtigsten Verbindungen gehören:
In der frischen Kakaobohne dienen Polyphenole vermutlich unter anderem dem Schutz der Pflanze.
Sie tragen außerdem zur Bitterkeit und Adstringenz bei – jenem trockenen Gefühl im Mund, das man von sehr herbem Kakao kennt.
Untersuchungen verschiedener Genotypen und Verarbeitungsschritte zeigen, dass bereits die Fermentation einen großen Teil des ursprünglichen Polyphenolprofils verändert. Das ist für den Geschmack erwünscht, reduziert aber häufig die Mengen einzelner Flavanole [1–5].
Kakaopulver kann mit alkalischen Stoffen behandelt werden. Dieses als Alkalisierung oder „Dutch Processing“ bekannte Verfahren hebt den pH-Wert an und verändert:
Alkalisierter Kakao ist in der Regel dunkler, milder und besser in Flüssigkeiten löslich.
Die dunklere Farbe wird oft mit einem höheren Kakao- oder Pflanzenstoffgehalt verwechselt. Tatsächlich kann jedoch das Gegenteil der Fall sein.
Analysen kommerzieller Pulver zeigten, dass der durchschnittliche Flavanolgehalt mit zunehmender Alkalisierung stark abnahm. In einer Untersuchung enthielten natürliche Pulver im Mittel ein Vielfaches der Flavanolmenge stark alkalisierter Produkte. Eine weitere Studie ermittelte durch Alkalisierung durchschnittlich rund 60 Prozent weniger Gesamtflavonoide [7, 8].
Dunkler bedeutet bei Kakao also nicht automatisch pflanzenstoffreicher. Manchmal bedeutet es vor allem: chemisch anders verarbeitet.
Für Kakao-Flavanole existiert in der Europäischen Union eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe:
Kakao-Flavanole helfen, die Elastizität der Blutgefäße zu erhalten, was zu einem normalen Blutfluss beiträgt.
Der positive Effekt wird laut Zulassungsbedingungen bei einer täglichen Aufnahme von 200 Milligramm Kakao-Flavanolen erreicht [9, 10].
Diese Angabe darf nicht wahllos auf jedes kakaohaltige Lebensmittel geschrieben werden. Das Produkt muss die vorgeschriebene Flavanolmenge tatsächlich liefern und die rechtlichen Bedingungen erfüllen.
Die ursprüngliche EFSA-Bewertung nannte als Beispiele 2,5 Gramm eines speziellen flavanolreichen Kakaopulvers oder zehn Gramm einer entsprechend flavanolreichen dunklen Schokolade. Das sind keine allgemeingültigen Mengen für gewöhnliche Handelsprodukte. Ein beliebiges Pulver kann aufgrund von Sorte und Verarbeitung erheblich weniger Flavanole enthalten.
Die Angabe „85 Prozent Kakao“ genügt deshalb nicht als eindeutiger Favanolnachweis.
Es zeigt aber eindrücklich, dass Lecker auch tatsächlich sehr gesund sein kann und eine abwechslungsreiche, pflanzliche Ernährung immer noch das Maß aller Dinge ist.
Das Endothel ist die innere Zellschicht der Blutgefäße. Es beteiligt sich unter anderem an der Regulation von Gefäßweite, Blutgerinnung und Entzündungsprozessen.
Kakao-Flavanole können die Bildung und Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid beeinflussen. Dieses Signalmolekül trägt zur Entspannung der Gefäßmuskulatur bei.
Kontrollierte Studien zeigen wiederholt eine Verbesserung der flussvermittelten Gefäßerweiterung nach flavanolreichem Kakao. Metaanalysen finden außerdem kleine Senkungen des Blutdrucks, insbesondere bei Menschen mit erhöhten Ausgangswerten [11–13].
Daraus folgt nicht, dass Schokolade eine Blutdrucktherapie ist.
Ein zucker- und energiereiches Produkt kann zwar Flavanole enthalten, aber gleichzeitig Eigenschaften besitzen, die bei regelmäßig großen Portionen wenig hilfreich für Gewicht und Stoffwechsel sind. Der gesundheitliche Gesamteffekt eines Lebensmittels ergibt sich nicht aus dem Lebenslauf eines einzigen Pflanzenstoffs.
Das Gehirn benötigt eine zuverlässige Durchblutung.
Da Kakao-Flavanole Gefäßfunktionen beeinflussen können, wird untersucht, ob sie auch Gehirndurchblutung und kognitive Leistung verändern.
Einige kleinere Studien fanden nach flavanolreichen Kakaoprodukten Verbesserungen bestimmter Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- oder Verarbeitungstests. Bildgebende Untersuchungen berichteten teilweise eine erhöhte regionale Hirndurchblutung [14–16].
Das Gesamtbild ist zwar nicht eindeutig, zeigt uns aber Tendenzen, in welche Richtung die Forschung noch gehen kann, und lässt erahnen, welche Schätze die Natur noch bereithält.
Kakao macht daher nicht pauschal klüger. Einzelne akute oder zielgruppenspezifische Effekte sind möglich, ein zuverlässiger Schutz vor altersbedingtem geistigem Abbau ist aber nicht bewiesen.
Schokolade besitzt sensorisch ziemlich gute Voraussetzungen für gute Laune:
Kakao enthält darüber hinaus Theobromin, etwas Koffein und verschiedene biogene oder phenolische Verbindungen.
Diese werden als mögliche Beiträge zu Stimmung und Wachheit diskutiert.
Eine kleine randomisierte Studie berichtete nach täglichem Verzehr von Schokolade mit 85 Prozent Kakao über verbesserte Stimmungswerte und Veränderungen bestimmter Darmbakterien. Eine Schokolade mit 70 Prozent hingegen zeigte denselben Effekt nicht eindeutig. Die Studie war kurz und erlaubt keine allgemeine Empfehlung zur Behandlung psychischer Beschwerden [18].
Auch der Geschmack selbst spielt eine große Rolle. Wer Schokolade gerne isst, erlebt unmittelbar Belohnung und Genuss. Dafür braucht es keine spektakuläre Serotonin-Erzählung.
Schokolade enthält übrigens kein Glückshormon, das nach dem Essen einfach direkt ins Gehirn marschiert. Die Stimmung ist biologisch etwas komplizierter – und zum Glück kulinarisch trotzdem erreichbar.
Theobromin ist das mengenmäßig wichtigste Methylxanthin des Kakaos.
Chemisch ist es mit Koffein verwandt, wirkt aber anders und meist weniger stark auf das zentrale Nervensystem.
Kakao enthält außerdem Koffein, in der Regel jedoch deutlich weniger als Kaffee. Die genauen Mengen schwanken mit Produkt, Sorte und Verarbeitung.
Theobromin kann:
Bei empfindlichen Menschen oder größeren Mengen können kakaoreiche Produkte zu:
beitragen.
Wer abends nach dunkler Schokolade schlecht schläft, bildet sich das daher nicht zwingend ein.
Kakao trägt zwar keinen Espressohut, kommt aber auch nicht völlig ohne anregendes Gepäck.
In klinischen Studien wurden Kakao und Kakao-Flavanole hinsichtlich Blutzucker, Insulinempfindlichkeit und Blutfetten untersucht.
Einige Metaanalysen berichten kleine Veränderungen bei Insulinresistenz, LDL- oder HDL-Cholesterin. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und hängen stark von Produkt, Flavanolmenge, Studiendauer und Gesundheitszustand der Teilnehmenden ab.
Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen ungesüßtem Kakao und Schokolade. Ein Getränk aus reinem Kakaopulver ohne viel Zucker ist stoffwechselphysiologisch etwas anderes als eine große Tafel gefüllter Schokolade.
Der Satz „Kakao kann günstig auf einzelne Stoffwechselparameter wirken“ lässt sich daher nicht in „Schokolade hilft gegen Diabetes“ übersetzen.
Bei dieser Übersetzung würden wissenschaftlich einige wichtige Wörter verloren gehen.
Produkte werden häufig als Rohkakao, Raw Cacao oder Rohkost-Kakao angeboten.
Eine rechtlich einheitliche Definition, welche maximale Temperatur dabei während sämtlicher Verarbeitungsschritte eingehalten werden muss, existiert jedoch nicht in jedem Kontext.
Auch vermeintlicher Rohkakao wurde üblicherweise:
Bereits während der Fermentation können im Inneren der Bohnen deutlich erhöhte Temperaturen entstehen.
Weniger stark geröstete Produkte können mehr bestimmte Flavanole enthalten.
Gleichzeitig ist Röstung wichtig für Aroma und Lebensmittelsicherheit. „Roh“ bedeutet deshalb nicht automatisch nährstoffreicher, sicherer oder gesünder.
Aussagekräftiger wären konkrete Analysewerte zu Flavanolen, mikrobiologischer Qualität und möglichen Kontaminanten.
„Raw“ ist zunächst ein Verarbeitungsbegriff – kein wissenschaftliches Qualitätssiegel mit Heiligenschein.
Dunkle Schokolade besitzt meist einen höheren Anteil an Kakaomasse und weniger Zucker als Milchschokolade. Sie kann dadurch mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe, Theobromin und Flavanole liefern.
Sie ist energiereich und lässt sich ausgesprochen effizient über die ursprünglich geplante Portionsgröße hinaus essen.
Ein hoher Kakaoanteil ist daher ein sinnvolles Qualitätsmerkmal, aber keine automatische Gesundheitsgarantie.
Dunkle Schokolade kann in kleinen Mengen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Sie muss dafür nicht in Brokkoli mit besserem Marketing umbenannt werden.
In dem Video erfährst du, warum dunkle Schokolade als Superfood gilt. Erfahre mehr über die wissenschaftlich belegten Vorteile von Kakao für Herz, Gehirn, Stoffwechsel und Langlebigkeit. Studien zeigen: Die Flavonoide im Kakao können die Durchblutung verbessern, den Blutzucker regulieren und sogar Anti-Aging-Effekte haben. Doch welche Schokolade ist wirklich gesund? Erfahre, worauf du achten solltest, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Dr. med. Ulrich Bauhofer klärt auf.
Reines Kakaopulver ist vielseitiger als der klassische süße Trinkkakao vermuten lässt.
Es passt beispielsweise in:
Sein bitteres Aroma harmoniert gut mit:
Wer bisher nur stark gezuckerten Trinkkakao kennt, sollte ungesüßtes Pulver zunächst sparsam dosieren. Kakao besitzt durchaus Charakter – und hält wenig davon, ihn zu verbergen.
Reines Kakaopulver benötigt genau eine Zutat: Kakao.
Kakaohaltige Getränkepulver bestehen dagegen teilweise überwiegend aus Zucker und enthalten nur einen relativ kleinen Kakaoanteil. Begriffe wie „Schoko-Drink“ oder eine braune Verpackung sagen wenig über die tatsächliche Zusammensetzung.
Stark entöltes Pulver enthält weniger Kakaobutter. Es schmeckt oft trockener und intensiver, während schwach entöltes Pulver cremiger wirken kann.
Der Entölungsgrad sagt allein nichts über die Flavanolqualität aus.
Auf Verpackungen finden sich Begriffe wie:
Alkalisierung ist technologisch legitim und kann Geschmack sowie Löslichkeit verbessern. Wer möglichst viele ursprüngliche Flavanole sucht, sollte jedoch eher ein nicht oder nur schwach alkalisiertes Produkt wählen.
Nur ein konkret ausgewiesener und verlässlich analysierter Flavanolgehalt erlaubt eine belastbare Aussage zur aufgenommenen Menge. Dunkle Farbe, Bitterkeit und Kakaoanteil sind dafür keine sicheren Ersatzmessungen.
Herkunft, Boden und Lieferkette beeinflussen nicht nur Geschmack, sondern auch mögliche Kontaminanten. Seriöse Anbieter sollten Rohstoffe und Endprodukte angemessen kontrollieren.
Kakaopflanzen können Cadmium aus dem Boden aufnehmen.
Das Metall gelangt somit bereits während des Pflanzenwachstums in die Bohne und ist nicht lediglich eine Folge späterer industrieller Verarbeitung.
Die Gehalte unterscheiden sich erheblich nach Anbauregion, Bodenbedingungen und Pflanzenmaterial. Untersuchungen zeigen teilweise höhere Werte in Kakaos aus bestimmten Regionen Lateinamerikas, wobei pauschale Aussagen über einzelne Länder zu grob wären [19–21].
Cadmium kann sich bei langfristig hoher Aufnahme im Körper anreichern und insbesondere die Nieren belasten. In der EU gelten deshalb Höchstgehalte für Kakao- und Schokoladenprodukte.
Das bedeutet nicht, dass Kakao grundsätzlich gefährlich ist.
Es zeigt vielmehr, warum regelmäßige Kontrollen, eine gute Rohstoffauswahl und abwechslungsreiche Ernährung sinnvoll sind.
In üblichen Lebensmittelmengen wird Kakao von den meisten Menschen gut vertragen.
Größere Mengen können aufgrund von Theobromin, Koffein, Fett und Ballaststoffen jedoch Beschwerden begünstigen.
Möglich sind unter anderem:
Menschen mit Reflux bemerken teilweise, dass Schokolade ihre Beschwerden verstärkt. Dafür können Fett, Portionsgröße, Theobromin und weitere Faktoren eine Rolle spielen.
Auch bei Migräne wird Schokolade häufig als Auslöser genannt. Der Zusammenhang ist jedoch komplex.
Manchmal kann das Verlangen nach Schokolade bereits Teil der frühen Migränephase sein, sodass die Schokolade zu Unrecht als Ursache verurteilt wird.
Eine allgemeine Verbotsliste ist daher selten hilfreich. Die individuelle Reaktion ist aussagekräftiger als eine pauschale Schlagzeile.
Kakao ist weit mehr als die Geschmacksrichtung einer Süßigkeit.
Die Samen des Kakaobaums liefern Fett, Protein, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Theobromin und eine vielfältige Mischung sekundärer Pflanzenstoffe.
Besonders gut untersucht sind die Kakao-Flavanole.
Für eine definierte tägliche Menge von 200 Milligramm existiert eine zugelassene Aussage zur Erhaltung der Gefäßelastizität und zum normalen Blutfluss. Das ist ein bemerkenswerter wissenschaftlicher Befund – aber kein Freibrief für jede Tafel Schokolade.
Der Flavanolgehalt verändert sich von der Bohne bis zum fertigen Produkt.
Fermentation, Röstung und insbesondere starke Alkalisierung können ihn deutlich reduzieren. Gleichzeitig erzeugen genau diese Prozesse das Aroma, das Kakao genießbar und unverwechselbar macht.
Auch die Produktform zählt. Ungesüßtes Kakaopulver, Kakaonibs und dunkle Schokolade besitzen unterschiedliche Mengen an Fett, Zucker und Ballaststoffen. Ein hoher Kakaoanteil ist hilfreich, macht die übrige Rezeptur aber nicht bedeutungslos.
Kakao kann somit Teil einer gesunden Ernährung sein – besonders als wenig gesüßte, bewusst eingesetzte Pflanzenzutat.
Schokolade darf ebenfalls ihren Platz haben, nur vielleicht eher als Genussmittel denn als medizinisch notwendige Pflichtportion.
Lecker kann tatsächlich gesund sein. Es muss nur nicht gleich behaupten, alle Probleme der Menschheit in einer braunen Tafel lösen zu können.
Ist Kakao gesund?
Ungesüßter Kakao kann eine ausgewogene Ernährung um Ballaststoffe, Mineralstoffe, Theobromin und Flavanole ergänzen. Wie gesund ein konkretes Kakaoprodukt ist, hängt jedoch von Verarbeitung, Flavanolgehalt, Zucker, Fett und Portionsgröße ab.
Was ist der Unterschied zwischen Kakao und Schokolade?
Kakao bezeichnet Bestandteile der verarbeiteten Kakaobohne, beispielsweise Kakaomasse oder Kakaopulver. Schokolade ist ein daraus hergestelltes Produkt, das zusätzlich Zucker, Kakaobutter, Milchbestandteile oder weitere Zutaten enthalten kann.
Ist dunkle Schokolade gesund?
Dunkle Schokolade enthält meist mehr Kakaobestandteile und weniger Zucker als Milchschokolade. Sie kann Flavanole und Mineralstoffe liefern, bleibt aber energie- und fettreich. Eine kleine Portion kann gut in eine ausgewogene Ernährung passen.
Wie viel Kakao sollte man täglich essen?
Eine allgemeine ideale Tagesmenge gibt es nicht. Für den zugelassenen Gefäß-Health-Claim sind 200 Milligramm Kakao-Flavanole täglich erforderlich. Wie viel Pulver oder Schokolade dafür nötig ist, hängt vom analysierten Flavanolgehalt des konkreten Produkts ab.
Ist Rohkakao gesünder als normaler Kakao?
Nicht automatisch. Weniger stark erhitzter Kakao kann mehr einzelne Flavanole enthalten. „Roh“ ist jedoch nicht immer eindeutig definiert und sagt allein nichts über Mikrobiologie, Schadstoffe oder den tatsächlichen Pflanzenstoffgehalt aus.
Was ist besser: schwach oder stark entölter Kakao?
Stark entölter Kakao enthält weniger Fett und häufig anteilig mehr Ballaststoffe sowie fettfreie Kakaobestandteile. Schwach entölter Kakao schmeckt oft cremiger. Welches Produkt besser passt, hängt von Rezept und persönlicher Vorliebe ab.
Senkt Kakao den Blutdruck?
Flavanolreiche Kakaoprodukte können die Gefäßfunktion verbessern und den Blutdruck im Durchschnitt geringfügig senken. Die Wirkung ist nicht bei allen Menschen gleich und ersetzt keine medizinische Behandlung.
Macht Kakao wach?
Kakao enthält Theobromin und kleinere Mengen Koffein. Beide können anregend wirken. Empfindliche Menschen sollten größere Mengen kakaoreicher Produkte deshalb möglicherweise nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen verzehren.
Macht Schokolade glücklich?
Schokolade kann durch Geschmack, Textur, Geruch und positive Erwartungen kurzfristig das Wohlbefinden steigern. Für eine gezielte Behandlung von Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen gibt es jedoch keinen Nachweis.
Kann man Kakao jeden Tag essen?
Ungesüßtes Kakaopulver kann in üblichen Mengen regelmäßig verwendet werden. Bei Schokolade sollten Zucker, Energiegehalt und Portionsgröße berücksichtigt werden. Wer sehr große Mengen Kakao konsumiert, sollte außerdem mögliche Belastungen durch Cadmium und die anregende Wirkung von Theobromin beachten.